Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

Blühstreifen in Porta Westfalica

 

2015: Vier neue Blühstreifen angelegt

Im Jahr 2015 haben wir zusammen mit der Lokalen Agenda-Gruppe "Biodiversität" an folgenden Standorten in Porta Westfalica Blühstreifen angelegt: Am Vennbecker Flugplatz 1200 qm "Wildbienen- und Schmetterlingssaum" (Rieger & Hofmann) sowie "Hasenapotheke" in Kooperation mit dem dortigen Jagdpächter, im Holtruper Gewerbegebiet auf dem Firmengelände der Firma Siekutec 2500 qm den "Wildbienen- und Schmetterlingssaum" (Rieger & Hofmann) sowie auf dem Gelände des Trinkwasserbrunnens der Stadtwerke Porta Westfalica "Am Brandskampsweg" in Möllbergen" die
Fettwiesenischung (nur Blumen) (Rieger & Hofmann).


Blühstreifen am Weserradweg

 

Im Mai 2016 durften wir zusammen mit der Lokalen Agendagruppe "Biodiversität" direkt am Weserradweg in Barkhausen einen 50 m langen und 3 m breiten Grünstreifen der Stadt Porta Westfalica (Ecke Fährstraße) sowie einen 300 m langen und 3 m breiten Grünlandstreifen der Bundesanstalt für Immobilienaufgabe im Bereich der Straße "Burkamp" mit der 100-prozentigen Wildblumenmischung "Fettwiese" von Rieger & Hofmann einsäen. Zuvor waren die beiden Streifen von einem ortsansässigen Landwirt gepflügt worden.  Per QR-Code können Interessierte auch die Liste der ausgesäten Wildpflanzen hier von dieser Homepage abrufen. Wir haben zur Erläuterung für alle Radfahrer und Spaziergänger jeweils ein Informationsschild mit folgendem Text vor den Blühstreifen aufgestellt.

Blühstreifen -ein Gewinn für Mensch und Natur !

 

Auf diesem Grundstück hat der Verein "Naturschutz und Heimatpflege Porta" (www.nhporta.de) einen Blühstreifen mit über 30 verschiedenen heimischen Blütenpflanzen ausgesät. Die ausdauernden Wildpflanzen bieten mit ihren Blüten den Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen eine wertvolle Nahrungsquelle (Nektar, Pollen) sowie mit ihren Blättern Raupenfutter und Versteckmöglichkeiten. Dieser Blühstreifen stellt in der naturfernen Landschaft einen wichtigen Lebensraum für Insekten, Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel dar. 

 

Für uns Menschen ist dieser Blühstreifen ein farbenfroher Ausschnitt aus der ehemaligen Artenvielfalt ursprünglicher Wiesen. Wegen der großen Biodiversität können solche Wiesen die für uns lebenswichtigen Ökosystem-Dienstleistungen (sauberes Wasser, fruchtbarer Boden, frische Luft) erbringen. Es handelt sich um die Blumenmischung "Fettwiese" (Rieger & Hofmann). 


Vortrag Februar 2012: Ackerlebensräume

Bitte melden: Kiebitze und Feldlerchen

„Ich möchte Ihnen heute die Edelsteine des Kreises Minden-Lübbecke vorstellen“, so begann die Diplom-Biologin Dagmar Diesing vom Kreisumweltamt ihren Vortrag über die letzten 6 naturschützerisch wertvollen Ackerflächen des Mühlenkreises.

Eingeladen hatte der Verein „Naturschutz und Heimatpflege Porta“ (NHP) zu dem sehr informativen und bunt bebilderten Fachvortrag über die letzten verbliebenen

Ackerwildkrautbestände, da in Porta dringender Handlungsbedarf besteht, wenn auch unsere Enkel noch Kornblumen und Co. kennenlernen sollen. Denn die an diesem Abend vorgestellten seltenen Ackerwildkräuter wachsen in Petershagen, Lübbecke, Bad Oeynhausen und Stemwede, aber eben nicht in Porta Westfalica.

„Wir hoffen auf die im Boden evtl. noch schlummernden Samen von seltenen Ackerwildkräutern in einzelnen Portaner Ortschaften, die wir mit Hilfe einer alten Kartierung ausfindig machen möchten“, sieht der NHP-Vorsitzende noch eine Chance.

Frau Diesing verdeutlichte, dass lediglich sechs Ackerlebensräume seit 24 Jahren kreisweit bewahrt werden konnten, sodass nur noch hier so seltene Ackerwildkräuter wie der Feldrittersporn, der Ackerwachtelweizen oder der Lämmersalat vorkommen.

Insbesondere der skurril aussehende gelbblütige Lämmersalat mit seinem oben dicken und unten dünnen Stängel faszinierte die Zuschauer im Hausberger Gemeindehaus. Der Bestand des vom Aussterben bedrohten Lämmersalats ist zumindest auf einer Fläche in Stemwede so weit gesichert, dass nicht jedes Jahr gezittert werden muss, ob nach dem Pflügen wieder einige Pflanzen wachsen. Denn das Problem sei laut Diesing, dass die einjährigen Ackerwildkräuter jedes Jahr erneut auskeimen müssen, sodass nach dem Pflügen immer genügend Samen oberflächennah liegen müssen, was bei sehr seltenen Arten nicht immer gegeben sei.

Es wurde deutlich, dass die konkurrenzschwachen Ackerschönheiten ohne das jährliche Pflügen schnell von mehrjährigen Pflanzen überwuchert würden, sodass auch das Pflügen unerlässlich ist.

Auch die Fotos des blau leuchtenden Ackerrittersporn, der nur auf kalkhaltigen Äckern gedeihen kann, begeisterten die Portaner Naturschützer, die sich freuten, als sie hörten, dass inzwischen wieder 5000 Pflanzen dieser botanischen Rarität im Kreisgebiet vorkommen.

Anschließend informierte Frau Diesing die Anwesenden über die Fördermöglichkeiten für Ackerlebensräume, sodass zukünftig vielleicht auch wieder in Porta die eine oder andere seltene Art der Feldflur eine Überlebenschance bekommt. Wenn beispielsweise Feldlerchen oder Kiebitze auf Portaner Äckern entdeckt werden, dann ließe sich über entsprechende Fördergelder für die betroffenen Ackerflächen sprechen. Der NHP-Vorsitzende Herbert Wiese bringt es auf den Punkt:„Jeder Portaner sollte uns eine kurze Mail schreiben, wenn er eine Lerche oder einen Kiebitz gehört oder gesehen hat. Wenn wir die Lage der Ackerfläche möglichst genau beschrieben bekommen, setzen wir uns mit dem Ackerbesitzer in Verbindung und fragen, ob dieser an Fördergeldern interessiert ist.“ Der NHP ruft alle Portaner Bürgerinnen und Bürger in diesem Frühjahr dazu auf, die Standorte von singenden Feldlerchen und balzenden Kiebitzen (Foto: Eckhard Lietzow) unter info@nhporta.de zu melden.

Jahresschwerpunkt 2011: Ackerrandstreifen

Der Schwerpunkt des NHP 2011 lautet "Lebendige Ackerrandstreifen", d.h. uns geht es um Ackerränder, auf denen Wildpflanzen existieren dürfen, sodass sich eine kleine Lebensgemeinschaft aufbaut, zu der auch viele Insekten, einige typische Feldvögel (Feldlerche, Rebhuhn, Feldsperling etc.) und einige Säugetiere zählen. Außerdem entwickelt sich automatisch ein Biotopverbundsystem, da die streifenförmigen Ackerränder in der Lage sind, bisher isolierte Lebensräume wieder zu vernetzen, was im Sinne eines modernen Naturschutzes ist.  Im Juni haben wir dazu aufgerufen, uns blühende Ackerrandstreifen zu melden, damit wir mit den entsprechenden Landwirten über Schutzmaßnahmen sprechen konnten: "Sagt uns, wo die Kornblumen blühen" (Mehr auf MT Online). Im Juli startete unser Fotowettbewerb "Lebendige Ackerränder" (Mehr auf MT Online). Und im August 2011 haben wir einem Landwirt 10 Cent pro Quadratmeter seines Ackerrandes bezahlt, weil er  seinen Feldrand für mindestens 1 Jahr ungespritzt und ungedüngt wachsen lässt (Mehr auf MT Online), sodass sich Ackerwildkräuter entwickeln können. Weitere Landwirte, die unsere unbürokratische Förderung (per Handschlag, ohne Papierkram) genießen möchten, sollten sich schnell melden - noch ist Geld im Fördertopf !

Ackerkräuter – Kulturbegleiter

Der Beginn des Ackerbaus und damit der Kulturlandschaftsentwicklung reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Im damals fast flächendeckenden Wald schuf der wirtschaftende Mensch Rodungsinseln für den Anbau der frühen Kulturpflanzen. An diesen Offenstandorten siedelten sich schnell die nacheiszeitlichen Steppenpflanzen der wenigen waldfreien Stellen an. Zu diesen ca. 100 Arten zählen z. B. Kornblume, Hohlzahn, Disteln, Vogelmiere und Acker-Winde. Diesen Apophyten gesellten sich mit dem Saatgut aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum weitere Beikräuter zu – die Archaeophyten. Dazu gehören neben zahlreichen Gräsern u. a. Kornrade, Mohn und Erdrauch. Eine weitere Ergänzung der Feldflora ergab sich durch das Einwandern der so genannten Neophyten aus Amerika und Asien. Bekannte Beispiele sind das Franzosenkraut und der Persische Ehrenpreis. Dieser Prozess hält an, denn unsere Flora ist generell Veränderungen unterworfen, vor allem auch durch die Form der Landnutzung. Heute gelten ca. 300 Pflanzenarten als Ackerkräuter. Das sind fast 10 % aller bei uns vorkommenden Blütenpflanzen.

Ackerkräuter – ihre Standortansprüche

Das Vorkommen der einzelnen Arten ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Grundvoraussetzung sind zunächst die durch den Anbau ständig gestörten Böden. Außerdem spielen Bodenbeschaffenheit und Klima mit ihren regionalen Unterschieden eine wichtige Rolle, wie auch die jeweiligen Bewirtschaftungsformen, an die sich einzelne Ackerkräuter im Laufe der Zeit mit ihrem Vegetationszyklus angepasst haben. Auf eher mageren und wenig ertragreichen Feldern findet sich meist eine größere Artenvielfalt als auf besonders nährstoffreichen Böden. Einige Arten sind eng an Hackfruchtäcker gebunden, andere an Getreidekulturen. Je nach Sommer- oder Winteraussaat ergeben sich zudem für die Beikräuter abweichende Keim- und Wuchsbedingungen, die vor allem für die einjährigen Arten bedeutsam sind. Einige wenige Arten treten sogar nur in Verbindung mit bestimmten Kulturpflanzen auf. Beispiele sind Leindotter, Lein-Lolch und Flachs-Leimkraut, die an den Flachs-Anbau gebunden sind. Mit der Aufgabe dieser Kultur sind diese Arten verschwunden. Auch in unserem Gebiet ist aufgrund der spezifischen Standortbedingungen nie das gesamte Spektrum der Ackerkräuter vorgekommen. Heute sind im Stadtgebiet von Porta Westfalica noch ca. 160 Arten nachgewiesen.

Ackerkräuter – Gefährdung

Die folgende Übersicht zeigt die derzeitige Gefährdungssituation.

  BRD NRW PW
 0 - ausgestorben 7 160
 1 - vom Aussterben bedroht 9162
 2 - stark gefährdet 17277
 3 - gefährdet 282112
 Gesamt 618021

Dieser seit etwa 60 Jahren anhaltende Artenrückgang ist auf die zunehmende Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft zurückzuführen. Ein seither verstärkter Einsatz von Dünge- und Unkrautvernichtungsmitteln und eine verbesserte Saatgutreinigung ermöglichten eine nennenswerte und unverzichtbare Ertragssteigerung. Damit ging die einstige Vielfalt der Feldflora zwangsläufig verloren. Das traf vor allem ohnehin schon seltene Arten, die häufig gar keine Konkurrenz für die Kulturpflanzen darstellen. Deshalb finden sich auf heutigen Feldern nur noch wenige besonders widerstandsfähige Ackerkräuter; gefährdete hingegen wird man nur noch in Ausnahmefällen antreffen.  

Ackerkräuter - Schutzmaßnahmen

Auch die Vertreter der Feldflora haben unseren Schutz verdient. Aus ethischen Gründen sollen wir zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und damit zur Bewahrung jeder Art aufgrund ihres Eigenwertes beitragen, wie es das Bundesnaturschutzgesetz vorschreibt. Zudem ist jede Art für die wissenschaftliche Forschung jetzt und in Zukunft bedeutsam. Außerdem haben buntblumige Felder einen hohen landschaftsästhetischen Wert. Eine Rückkehr zu einstigen und für die Feldflora günstigen Bewirtschaftungsformen ist aber völlig unrealistisch. Deshalb muss nach Alternativen zur Erhaltung der einstigen Vielfalt gesucht werden. Eine Möglichkeit ist die Erhaltung der Ackerkräuter im Garten. Die meisten Gärten im Stadtgebiet liegen auf ehemaligem Ackerland, in dem nachweislich noch eine Menge Samen der einstigen Feldflora ruhen. Es lohnt sich, beim Jäten ein bisschen genauer hinzusehen. Dann tauchen da u. U. sogar gefährdete Arten auf, die man unbedingt erhalten sollte – im Garten, denn sie stellen keine Konkurrenz im Gemüsebeet oder an anderen Stellen dar. Eine weitere gute Möglichkeit besteht in der Anlage so genannter Ackerrandstreifen von mindestens 5 m Breite. Diese Randfläche wird normal bewirtschaftet – allerdings ohne Dünger und Herbizide. Auf diese Weise kann sich das Samenpotential des Bodens, das häufig über Jahrzehnte keimfähig bleibt, wieder entfalten. Die Ertragseinbußen werden finanziell ausgeglichen. Der NHP hat zusammen mit dem Landwirt Jürgen Höltkemeier gerade ein solches Projekt vereinbarMachen Sie mit: Es steht weiteres Fördergeld zur Verfügung - eine Mail an info@nhporta.de reicht aus, um den ersten Kontakt auszumachen.           


In Porta Westfalica gefährdete Ackerkräuter

  •              Vom Aussterben bedroht: (Rote Liste 1)

 

 Agrostemma githago
 Kornrade
 Filago arvensis  Acker-Filzkraut
  •                Stark gefährdet: (Rote Liste 2)
 Bromus arvensisAcker-Trespe
 Stechapfelblättriger GänsefußChenopodium hybridum
 Misopates orontiumAcker-Löwenmaul
 Acker-Hahnenfuß
Ranunculus arvensis
 Scandix pecten-veneris Venuskamm
 Silene noctifloraAcker-Lichtnelke
 Valerianella rimosa Gefurchter Feldsalat
  •                Gefährdet: (Rote Liste 3)
 Acinos arvensis Feld-Steinquendel
 Anthemis tinctoriaFärber-Hundskamille
 Centaurea cyanusKornblume
 Centaureum pulchellumZierliches Tausendgüldenkraut
 Chrysanthemum segetumSaat-Wucherblume
 Consolida regalis Acker-Rittersporn
 Corrigiola litoralis Hirschsprung
 Fumaria vaillantii  Blasser Erdrauch
 Lithospermum arvense Acker-Same
 Odontites vernus Acker-Zahntrost
 Sherardia arvensis  Ackerröte
 Stachys arvensis  Acker-Ziest

Hier finden Sie die Gesamtliste der Ackerwildkräuter in Porta Westfalica                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                

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