Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

 

Stieglitz – Vogel des Jahres 2016

 

Mit der Wahl zum Vogel des Jahres möchte der Naturschutzbund (NABU) mit dem Stieglitz (Carduelis carduelis) auf einen besonders farbenfrohen Vertreter der Finkenvögel aufmerksam machen, aber auch auf seinen Lebensraum.

Das schwarz-weiß-rote Kopfgefieder ist auffällig genug. Dazu kommen die leuchtend gelben Binden in den sonst schwarzen Flügeln, die sich wiederum vom weißen Bauchgefieder abheben. Einer Sage zufolge soll der Stieglitz, als Gott den Vögeln ihre Farben gab, ganz bescheiden bis zuletzt gewartet haben und bekam dann ab, was noch in den Farbtöpfen übrig war. So wurde er bunt.

Vor allem wegen ihres Gefieders und ihres Gesangs wurden die Stieglitze gern in Volieren gehalten. Das ist auch heute noch möglich, wenn die Tiere aus einer Zucht stammen. Ob eine solche Haltung wünschenswert ist, darf hinterfragt werden. Der Natur dürfen sie in Deutschland jedenfalls aufgrund des Artenschutzes nicht entnommen werden.

Die Stieglitze haben ein recht großes Verbreitungsgebiet, das sich über Europa nach Vorderasien und Nordafrika erstreckt. Man geht allein im europäischen Raum von ca. 12 Mio. Brutpaaren aus; in Deutschland bewegen sich die Zahlen zwischen 350 000 und 510 000 (aktuelle Rote Liste von 2009). Auch wenn sich das im Vergleich zur Population etwa der Blaumeisen mit etwa 2,6 – 3,3 Mio. recht bescheiden ausnimmt, gilt die Art bisher nicht als gefährdet, auch wenn der NABU von einem Bestandsrückgang ausgeht. Man sieht den bunten Gesellen allerdings generell nicht so häufig.

Einen nennenswerten Geschlechtsdimorphismus gibt es bei der Art nicht, außer dass beim Weibchen die rote Gesichtsmaske weniger stark ausgeprägt ist. Beide erreichen eine Länge von 12 cm und haben damit eine ähnliche Größe wie die Sperlinge.

Schon im Februar bereiten sich die Männchen – häufig in kleinen Schwärmen – mit ihrem zwitschernden Gesang, der mit „stigelit“ umschrieben wird und damit mutmaßlich zum Namen Stieglitz führte, auf die Balz vor. Erst im April finden sich die Paare zusammen und suchen einen geeigneten Nistplatz – bevorzugt in hohen Bäumen, die sie in lichten Wäldern, Parks, Friedhöfen oder Gärten finden. Wichtig dabei ist, dass es im Umfeld auch Offenland für die Nahrungsbeschaffung gibt. Nach einer vierwöchigen „Verlobungszeit“ beginnt erst im Mai der Nestbau, der vom Weibchen erledigt wird. Während dieser 10 – 12 tägigen Arbeit finden mehrfache Paarungen statt, aus denen im Regelfall 5 Eier hervorgehen. Die Brutzeit, in der das Männchen seine Partnerin mit Nahrung versorgt, dauert 12 – 13 Tage. Die Nestlinge werden zunächst mit Insekten – vorwiegend Blattläusen – gefüttert. Nach etwa 15 Tagen sind die Jungen flügge, werden aber noch eine Woche von den Eltern gefüttert, ehe sie selbständig sind.  Im günstigen Fall erfolgt eine zweite Brut – wohl aber nur in warmen Regionen.  Nach der Brutzeit finden sich die Tiere wieder zu mehr oder weniger großen Trupps zusammen und gehen auf Nahrungssuche. Bevorzugt werden dabei Sämereien – sowohl reife als auch noch unreife. Besonders begehrt sind dabei die Samen von Disteln. Das drückt sich auch im zweiten und durchaus gängigen deutschen Namen „Distelfink“ aus und genauso im lateinischen, in dem die botanische Bezeichnung „Carduus“ für Distel steckt. Gleichwohl werden aber auch gern andere Samen verzehrt – so z. B. die des Löwenzahns. Bei der Ernte erweist sich der recht spitze, pinzettenartige Schnabel als sehr hilfreich. In unserem Gebiet gelten die Stieglitze als Standvögel; d. h. sie verbringen auch den Winter hier, sind allenfalls auf Nahrungssuche unterwegs, wenn das Angebot vor Ort ausfällt.  Das kann allerdings auch schon während der Vegetationsperiode mager sein, weil es in der zunehmend ausgeräumten Landschaft immer weniger krautreiche Flächen gibt. So sind etwa Disteln nicht nur bei den Landwirten höchst unbeliebt, sondern auch ein No go im gepflegten Vorgarten.  Gerade aber Gärten können bei naturnaher Gestaltung auch zum Refugium für die schon in der Bibel geschmähten Disteln werden – nicht nur zum Vorteil des Distelfinken. Wichtig dabei ist es, die welken Blütenstände auch den Winter über stehen zu lassen. Mit Raureif überzogen können solche Stauden dann zudem zum ästhetischen Genuss werden und zugleich auch dem Distelfinken helfen.

Text: Dr. Schaksmeier; Foto: Bernhard Kuhlmann


Wiesen-Schlüsselblume – Blume des Jahres 2016

Lebewesen schützen“ oder „Wiesen-Schlüsselblume ist gefährdet“ – so titelten zwei Tages-zeitungen ihre Kurzmitteilungen, als bekannt wurde, dass die Loki-Schmidt-Stiftung die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) zur Blume des Jahres 2016 gekürt hatte. Damit ist eigentlich schon Entscheidendes gesagt. Es geht um Gefährdung und Schutz einer weiteren heimischen Pflanze, die man in der freien Landschaft zunehmend seltener antrifft. So galt die Wiesen-Schlüsselblume Ende der 90er Jahre in NRW noch als ungefährdet. Inzwischen wird sie in der Roten Liste aber als gefährdet (RL 3) eingestuft. Auch mit dieser Art, die wie alle heimischen Primelarten geschützt ist, soll der Blick nicht nur auf einen attraktiven Frühblüher gerichtet werden, sondern auch auf die negativen Veränderungen in der Landschaft, die meist ursächlich für den Artenrückgang sind. Die Wiesen-Schlüsselblume ist auf mäßig trockene und kalkhaltige Magerrasen angewiesen, wächst aber auch an lichten Waldrändern. Insbesondere die Magerrasen werden aber zunehmend zur Seltenheit.

Die Wiesen-Schlüsselblume hat auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior), lässt sich aber auch vom ungeübten Betrachter leicht anhand der Blütenfarbe unterscheiden. Die Hohe Schlüsselblume hat zitronengelbe Blüten, während die der Wiesen-Schlüsselblume ein kräftiges Dottergelb samt orangefarbener Saftmalen aufweisen. Sie zählt zu den ausdauernden Rosettenpflanzen und verfügt über ein tief in den Boden reichendes Speicher-Rhizom. Die grundständigen, etwas runzligen Blätter erreichen Längen von mehr als 10 cm. Zwischen März und Mai schieben sich aus der Rosette die bis zu 20 cm langen Blütenschäfte, an deren Ende in einer einseitswendigen Trugdolde vier bis sechs meist hängende Blüten gebildet werden. Die gelbe, verwachsene Blütenkrone geht aus einem bauchig aufgeblasenen hellgrünen Kelch hervor, der später auch die zylindrische Fruchtkapsel umschließt. Für die Samenbildung der selbststerilen Blüten sind Bestäuber wie Falter, Hummeln und verschiedene Zweiflügler nötig. Die Samen reifen im Juli, werden aber nur bei Trockenheit entlassen und durch den Wind verbreitet. Als Kaltkeimer können sie aber erst im nächsten Jahr neue Pflänzchen hervorbringen.

Der Name Schlüsselblume geht wohl auf das Erscheinungsbild der Blütenstände, die an alte Schlüssel erinnern, zurück. Die häufig verwendete Bezeichnung Himmelschlüssel steht vermutlich mit den hilfreichen Heilwirkungen der Pflanze, die gewissermaßen den Himmel aufschließen, in Verbindung. Der botanische Name lässt sich etwa als Erste des Frühlings übersetzen, auch wenn es mit den ganzen Zwiebelgewächsen einen deutlich früheren Blüten-flor gibt, der aber möglicherweise zur Entstehungszeit des Namens im Mittelalter keine nennenswerte Verbreitung bei uns hatte.

Schon Hildegard von Bingen schätzte die Schlüsselblume als Heilpflanze und empfahl das Auflegen der Blätter gegen Melancholie, aber auch Lähmungen. Diese Anwendungen haben sich freilich nicht bewährt. Inzwischen kennt man die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen etwas genauer. Blütenkelche und das Rhizom enthalten neben Glykosiden vor allem Saponine. Die aus beiden Pflanzenteilen gewonnenen Drogen werden als schleimlösende Auszüge bei grippeartigen Infektionen, Husten etc. verwendet und sind auch Bestandteil von Hustentees.

Diese Inhaltsstoffe kommen übrigens in allen Primelarten, auch den Gartensorten vor. Um sie zu gewinnen, ist es also nicht nötig, auf die Wildform zurückzugreifen, was wegen des Schutzes auch untersagt wäre. Der § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt das wie folgt: Es ist verboten, wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwick-lungsstufen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.

Dennoch besteht die Möglichkeit, sich die Wiesen-Schlüsselblume in den Garten zu holen. Die Loki-Schmidt-Stiftung bietet Samen zur eigenen Kultur an. Daneben kann man bei verschiedenen Wildpflanzen-Gärtnereien schon blühfähige Pflanzen erwerben, die eigentlich in keinem naturnahen Garten fehlen sollten und dort auf ihre Weise einen Beitrag zur Erhaltung der Art leisten können.

Text: Frau Dr. Schaksmeier


Die Blume des Jahres 2015:

Der Teufelsabbiss

Für 2015 hat die Loki-Schmidt- Stiftung den Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres gekürt.

Der Teufelsabbiss (Foto: MArgrit Meier), der zu den Kardengewächsen gehört, ist eine ausdauernde Halbrosetten-pflanze, die zur Blütezeit Höhen von 80 cm erreichen kann. Aus der grundständigen Rosette mit ihren länglichen, lanzettlichen und dunkelgrünen Laubblättern geht an einem langen Stängel der körbchenförmige Blütenstand hervor, der zwischen 50 und 80 blau- oder lila-farbige Einzelblüten umfasst. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September. Die Fruchtreife erfolgt ab September. Bestäuber der nektarreichen Blüten sind Bienen, Zweiflügler und Falter, während die Raupen des stark gefährdeten Goldenen Scheckenfalters auf die Blätter der Pflanze spezialisiert sind.

Das Rhizom des Teufelsabbisses reicht ca. 50 cm tief in den Boden. An seiner Spitze stirbt es aber immer wieder ab. Dieser Umstand hat der Pflanze auch ihren Namen eingetragen. Das succisa im botanischen Namen bedeutet „unten abgeschnitten“; pratensis = zur Wiese gehörig weist auf den Standort hin.

Der deutsche Name greift den Abbiss wieder auf, den man aber dem Teufel zuschrieb. Der wollte nämlich den Menschen die Wirkung der damals geschätzten Heilpflanze nicht gönnen und sie so zum Absterben bringen. Dem Teufel gelang das bekanntermaßen nicht.

In der Kräutermedizin des Mittelalters sollten Anwendungen von Blättern und Wurzeln gegen Nierenschwäche, Bronchitis, Herzbeschwerden und auch zur Blutreinigung helfen. Tatsächlich enthält der Teufelsabbiss Gerbstoffe, Glykoside und Saponine.

Darüber hinaus glaubte man, sich oder auch das Vieh vor bösem Zauber beschützen zu können, wenn man eine Wurzel als Amulett um den Hals trug oder sie im Stall aufhängte.

Auch heute enthalten einige Blutreinigungstees noch Anteile vom Teufelsabbiss; und in der Homöopathie werden seine Extrakte zur Wundheilung verwendet.

Bei der Wahl zur Blume des Jahres steht neben der jeweiligen Gefährdung der Art auch immer ihr Lebensraum im Blickpunkt, zumal der Rückgang einer Pflanzenart unmittelbar mit dem Verlust ihres Habitats zusammenhängt – von weiteren ökologischen Abhängigkeiten ganz abgesehen.

Das gilt auch für den Teufelsabbiss, der auf magere, offene Feuchtstandorte angewiesen ist. Aber gerade solche Standorte verschwinden immer schneller durch Trockenlegung und Umwandlung in Agrarflächen, oder die Bodenverhältnisse ändern sich durch Einträge aus der Luft.

Umso wichtiger ist es, die noch vorhandenen Vorkommen zu pflegen. Das bedeutet z.B. eine regelmäßige Mahd, die aber erst nach der Blüte und Fruchtbildung erfolgen darf. Insofern ist auch der Teufelsabbiss ein Pflegefall, wenn er denn erhalten werden soll. Das aber ist in den meisten Bundesländern geboten. Nur in den südlichen Bundesländern steht die Art noch nicht auf der Roten Liste, wohl aber z. B in NRW. Landesweit gilt der Teufelsabbiss hier als gefährdet, im Weserbergland sogar als stark gefährdet. Ein Blick auf die Karte im Verbreitungsatlas macht das sofort sichtbar. Lediglich am Rande das Portaner Stadtgebietes ist noch ein kleines Vorkommen der Art verzeichnet.

Obwohl der Teufelsabbiss durchaus eine Bereicherung für den naturnahen Garten sein kann, verbietet es sich, ihn aus einem Wildvorkommen zu entnehmen. Stattdessen kann man die Art aber über Wildstaudengärtnereien beziehen und damit auch den Insekten ein zusätzliches Nahrungsangebot schaffen – abgesehen vom ästhetischen Reiz der Pflanze.

Dr. Ulrike Schaksmeier
Bahnhofstr.77 32457 Porta Westfalica 


Blume des Jahres 2014:

Die Schwanenblume 

Mit der Schwanenblume (Butomus umbellatus) fiel die Wahl zur Blume des Jahres 2014 durch die Loki-Schmidt-Stiftung auf eine eher seltene und zudem fast überall gefährdete Pflanze.

Sie gehört als einzige Art zur Familie der Schwanenblumengewächse (Butomaceae) und nimmt damit botanisch durchaus eine Sonderrolle ein.

Die ausdauernde Schwanenblume – eine klassische Stromtalpflanze - mit einem kräftigen Rhizom gilt als amphibische Art und besiedelt die Uferbereiche von strömungsarmen Fließ- oder Stillgewässern wie Altarmen, Lachen oder flussnahen Kiesteichen. Dabei bevorzugt sie basen- und nährstoffreiche Substrate sowie wechselnde Wasserstände. Bei dauerhafter Überflutung bildet sie nur bandförmige, flutende Wasserblätter aus. Die sonst über das Wasser herausragenden Blätter sind am Grund dreikantig und wirken ansonsten eher grasartig.

In den Blick gerät die Schwanenblume vor allem zur Blütezeit, die sich von Juni bis August erstreckt. Der doldenartige Blütenstand weist bis zu 30 rötlich-weiße und 2 -3 cm große Einzelblüten mit roten Saftmalen auf den sechs Blütenblättern auf, die aber auf ihren 5 – 10 cm langen Blütenstielen erst nacheinander aufblühen. Damit wirkt der Blütenstand recht imposant. Außerdem verströmen die Blüten einen angenehmen Honigduft.

Der botanische und von Linné festgelegte Name Butomus umbellatus bezieht sich nur bedingt auf die Pflanzenmerkmale: Butomus - aus dem Griechischen zusammengesetzt - bedeutet so viel wie „stark wie ein Ochse schneidend“. Die Blätter haben diese Eigenschaft aber nicht. Dagegen verweist umbellatus = doldig auf die Form des Blütenstandes.

Ihren deutschen Namen verdankt die Schwanenblume dem schwanenhalsähnlichen Fruchtknoten. An der Basis der benachbarten Fruchtblätter wird in Form kleiner Tröpfchen Nektar abgegeben, der Fliegen, Hummeln und Bienen als Hauptbestäuber anlockt.

Mit erfolgter Samenbildung verlängern sich die Blütenstiele noch um mehrere Zentimeter und begünstigen damit den Windtransport der Samen, die vorwiegend über das Wasser erfolgt.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit der vegetativen Fortpflanzung durch die Verzweigung des Rhizoms oder sich davon abtrennender Brutknospen, die dann im Wasser verdriftet werden.

Früher verwendete man die Schwanenblume auch zu Heilzwecken – so z. B. bei Wassersucht.

Vor allem in Asien wird der mit 60 % sehr hohe Stärkegehalt des weißen Rhizoms für Nahrungszwecke genutzt. Man stellt Mehl daraus her.

Wir sind sicher nicht auf eine solche Nutzung angewiesen, die aber auch allein aufgrund der Seltenheit der Art entfällt. In NRW gilt die Art als gefährdet (Rote Liste 3). Im Weserbergland wird sie als stark gefährdet und in unserem Gebiet als verschollen eingestuft.

Erfreulicherweise belegen aber aktuelle Wiederfunde, dass diese schöne Pflanze auch bei uns

am Rande einiger älterer Kiesteiche noch eine Überlebensnische gefunden hat.

Dr. Ulrike Schaksmeier
Bahnhofstr.77 32457 Porta Westfalica


 Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum)

Sie gehört zur Familie der Glockenblumengewächse, hat jedoch keine glockenförmigen Blüten.

            

Bei der Teufelskralle bilden

zahlreiche Blüten einen ährenförmig thronenden Blütenstand, der wirksamer Bestäuber-Insekten anlockt als eine Einzelblüte. Die Blütezeit liegt je nach Klima zwischen Mai und Juli.

Die an Krallen erinnernden und nach oben gerichteten Blütenröhren bleiben in der anfangs männlichen Phase oben geschlossen und öffnen sich von der Basis her, indem sich die fünf zusammengewachsenen Kronenblätter voneinander trennen. Durch die Schlitze bekommen Insekten Zugang zu Nektar und Pollen.
Später wechselt die Pflanze, beginnend bei den unteren Blüten, in die weibliche Phase. Lange Griffel bilden sich aus den Blütenröhren heraus. Die Narben erinnern an gespaltene Schlangenzungen. Insekten, die mitgebrachten Pollen daran abstreifen, bestäuben nun die Pflanze.

Die Schwarze Teufelskralle mit den sehr dunkel lilafarbenen Blüten kommt laut Wissenschaft und Biologischen Stationen nur auf Bergwiesen der Höhenlagen vor und ist damit eine echte Charakterart dieser Pflanzengesellschaft. Sie ist in NRW nicht in der Roten Liste geführt, weil sie in den angestammten Verbreitungsgebieten der Hocheifel und Rothaargebirge nicht selten ist. Als streng endemische mitteleuropäische Art mit sehr anspruchsvollen Standortvoraussetzungen fehlt sie in den Alpenländern und im Flachland. Zumindest ist sie dort, wenn überhaupt, äußerst selten anzutreffen. Daneben findet man auf den Bergwiesen auch die weiß blühende Schwesternart, die Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum). Sie ist auch in lichten Wäldern und bis hinab ins Flachland verbreitet. Auch eine Kreuzung aus beiden Arten mit graublauen bis hellblauen Blütenähren trifft man auf den Bergwiesen des Rothaargebirges an.

Nun wächst die echte Schwarze Teufelskralle tatsächlich auch im NSG Wittekindsberg, weil sie wahrscheinlich keine wissenschaftlichen Dissertationen lesen kann. Aber ist der Standort wirklich atypisch ? Die Vermutung liegt nahe, dass zwei kleine Restbestände als Relikte längst vergangener Zeiten, als die Bergkuppen noch von Bäumen umsäumte Bergwiesen waren (niederhochdeutsch Brink), allen Aufforstungen trotzten. Auch könnte sie die letzten Zeugen eines Klostergartens aus dem 11. Jahrhundert sein, wo sie bewusst als Gemüse angebaut wurden. Da an den Fundorten jegliche neuzeitliche Einbringung absolut ausgeschlossen ist, bleiben viele Spekulationen übrig.

Teufelskrallen sollen auch im Teutoburger Wald und im Sonnenbrink bei Lübbecke vorkommen. Jedoch fehlen jegliche Nachweise bei Begehungen, so dass dort keine Spezifikation der genauen Art möglich ist. Somit scheint das NSG Wittekindsberg nachweislich das nördlichste Vorkommen der Schwarzen Teufelskralle zu besitzen, die das „Hochgebirgsklima“ zu schätzen weiß oder ausdauernd auf bessere Zeiten hofft. Sie ist nicht mit der medizinisch bedeutsamen Afrikanischen Teufelskralle identisch oder verwandt. (Foto und Text: Rudolf Krüger)


Der Hauhechelbläuling

(Polyommatus icarus)

Obwohl einer der häufigsten Bläulinge Deutschlands, ist er für viele Gartenbesitzer ein Unbekannter. In Stadtnähe dominiert mittlerweile der Faulbaumbläuling.

Die Lieblingspflanzen des wesentlich bunteren Hauhechelbläulings sind alle Kleearten, welche aus den sterilen bürgerlichen Gärten und der Landwirtschaft als „Unkraut“ gefürchtet und rigoros verbannt werden. Sein Name bezieht sich auf die Schmetterlingsblütler, wie beispielswiese der Hauhechel. Sonnendurchfluteter, blütenreicher Trockenrasen bis Halbtrockenrasen ist das Domizil dieser Falter, welches, im Zusammenwirken mit dem auf absolut stickstofffreien Rohsandboden gedeihenden Hasenklee (Rote Liste !), in der Kiesabgrabung Brinkmeyer vorhanden ist. Es wäre schade, wenn durch übermäßigen Stickstoffeintrag bei einer Rekultivierung mit Oberboden diese im Kreis Minden-Lübbecke seltene Trockenrasenlandschaft überwuchert würde. (Foto und Text von Rudolf Krüger)


Europäische Lärche – Baum des Jahres 2012 

 

Für das Jahr 2012 wählte die „Stiftung Baum des Jahres“ mit der Europäischen Lärche (Larix decidua) einen Baum, der im Unterschied zu allen in Deutschland vorkommenden Nadelbäumen im Herbst seine Nadeln abwirft, wie es sich auch im Epitheton des botanischen Namens decidua = hinfällig ausdrückt. Gerade wegen dieser Besonderheit dürfte die sommergrüne Lärche, die zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) gehört, allgemein bekannt sein. Außerdem trifft man Lärchen verhältnismäßig oft an – auch in Gärten oder Parks. Ihr Anteil an den forstlich angepflanzten Waldbäumen macht bundesweit allerdings nur 1 -2 % aus, wobei es dabei deutliche regionale Unterschiede bezüglich der Häufigkeit gibt. Mit schätzungsweise 7- 8 % liegen die Lärchen in den Wäldern von Porta Westfalica mengenmäßig weit über dem Durchschnitt. Dabei handelt es sich aber nicht nur um die Europäische Lärche. Die meisten Anpflanzungen erfolgten in den 1950er Jahren, und dabei fand auch die Japanische Lärche (Larix kämpferi) Verwendung.

Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der Europäischen Lärche liegen in den Zentralalpen, in den Sudeten, in den Karpaten, in Teilen Polens und Sibiriens. Dort bildeten sich auch entsprechende Unterarten bzw. Varietäten aus. In Deutschland ist die Lärche also nur in den Alpengebieten Bayerns heimisch. Alle sonstigen Vorkommen gehen auf Anpflanzungen zurück, die schon im 16. Jahrhundert begannen – meist aber nur als Park- oder Alleebaum. Ein nennenswerter forstlicher Anbau erfolgte erst seit dem 18. Jahrhundert. So zog man z. B. im Kloster Marienthal die ersten „sächsischen“ Lärchen für den eigenen Wald heran. Weil die Samen aus dem Riesengebirge kamen, entwickelten sich hier also Sudetenlärchen (Larix decidua ssp.sudetica) heran, die sich durch eine schlanke, ebenmäßige Krone und einen geraden Stamm auszeichnen. Ob diese Bäume noch erhalten sind, ist nicht bekannt, aber eher unwahrscheinlich.

Inzwischen gehören Lärchen überall zum selbstverständlichen Bauminventar und werden meist als heimische Art angesehen, obwohl es sich in Deutschland außerhalb der Alpen streng genommen um gezielt eingebrachte Neophyten, also um eine gebietsfremde Art handelt. Das gilt umso mehr für die Japanische Lärche (Larix kaempferi), die häufig wegen der höheren Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten angepflanzt wird. Nicht jede Lärche, der wir im Wald oder an anderer Stelle begegnen, ist also unbedingt eine Europäische Lärche, zumal es zwischen der Europäischen und Japanischen Lärche auch Hybriden (Larix x eurolepis) gibt, die auch forstlich verwendet werden.

Gelegentlich fallen Lärchen auf, die erkennbar nicht auf eine gezielte Anpflanzung zurückgehen. Sie haben sich selbst vermehrt. Die Art befindet sich nämlich auf dem Weg zur Einbürgerung, soweit sie einen passenden Standort findet.

Eine Unterscheidung der Arten – insbesondere der Unterarten – ist für den Laien kaum möglich, zumal sich die Bäume je nach Standort auch individuell entwickeln – im Forst z. B. völlig anders als im Freistand.

Die Europäische Lärche erreicht eine durchschnittliche Höhe von 40 m. In einem Ausnahmefall wurden sogar 54 m gemessen. Ebenso selten dürfte ein maximaler Stamm-durchmesser von 2 m sein. Sie bildet eine meist schlanke, kegelförmige Krone mit regelmäßiger und dichter Beastung aus. Die älteren Äste hängen, sind aber am Ende wieder aufwärts gebogen. Die jungen Triebe haben einen gelblichen Farbton. Im Jugendalter ist die Rinde graubraun und glatt, später färbt sie sich rötlichbraun und ist tiefrissig geschuppt.

Die weichen und 2 -3 cm langen Nadeln sitzen in Büscheln zu 20 – 40 dicht an den Kurztrieben und vereinzelt an den Langtrieben. Sie enthalten ätherische Öle und gelten als giftig. Im Gegensatz zur Japanischen Lärche mit dunkleren Nadeln sind sie reingrün. Ehe sie im Herbst abfallen, färben sie sich goldgelb und verleihen dem Baum damit ein spektakuläres Aussehen.

Besonders imposant fällt diese Herbstfärbung in den Alpen aus, wo die Lärchen oft in Reinbe-ständen vorkommen und zugleich in 2000 – 2500 m Höhe die Waldgrenze bilden. Hier haben sie auch eine wichtige Funktion im Lawinenschutz.

Kurz vor den Nadeln erscheinen zwischen März und Mai an den dreijährigen Trieben des einhäusigen Baums die Zapfen. Die weiblichen – etwa 2 x 3 cm groß und aufwärts gerichtet - fallen durch ihre anfängliche karminrote Farbe auf, während die deutlich kleineren männlichen gelb sind und hängen. Die weiblichen Zapfen färben sich später braun und entlassen die bereits im ersten Jahr reifenden Samen zwischen September und November. Jeder Zapfen bildet 40 – 50 Samenschuppen mit je 2 Samenanlagen. Die Zapfen selbst bleiben aber meist noch mehrere Jahre am Baum. Die Samen werden als Schraubenflieger hauptsächlich durch den Wind, aber auch durch Tiere verbreitet und bleiben 4 -5 Jahre keimfähig. Die Samenruhe beträgt nur wenige Wochen. Der Sämling hat 4 – 8 Keimblätter und kann bereits im ersten Jahr eine Höhe von 40 cm erreichen. Dabei bildet das Bäumchen zunächst eine Pfahlwurzel aus, die später zu einer Herzwurzel ergänzt wird und damit eine gute Standfestigkeit garantiert. Bei günstigen Bodenbedingungen kann die Wurzel eine Länge von 2 m erreichen.

Blühfähig ist eine junge Lärche im Freistand schon mit etwa 15 Jahren. Im Forst dauert es mit 40 - 50 Jahren erheblich länger.

Die Angaben über das maximale Alter der Lärche variieren stark. Sie reichen von 600 – 1000 Jahren. Außerhalb der ursprünglichen Vorkommensgebiete lassen sich derartige Veteranen natürlich nicht finden, weil die angepflanzten Bäume höchstens 400 – 500 Jahre alt sein können, meist aber wesentlich jünger. Außerdem ist anzunehmen, dass die meisten dieser angepflanzten Lärchen genutzt worden sind und deshalb ihr natürliches Alter gar nicht erreichen konnten. Das forstliche Umtriebsalter der Lärche beträgt ca. 100 – 140 Jahre.

Bezüglich ihrer Standortansprüche verfügt die Lärche über eine hohe ökologische Amplitude und gilt deshalb als Pionierbaumart. Sie wächst auf basenreichen oder auch leicht sauren und frischen Böden. Die bevorzugten pH-Werte bewegen sich zwischen 4,5 und 7,5. Sie toleriert Jahresniederschlagsmengen zwischen 2500 und 450 mm. Auf hohe Luftfeuchtigkeit reagiert sie aber empfindlich. Der Standort muss gut durchlüftet und vor allem hell sein. Als ausgesprochene Lichtbaumart verträgt sie keinen Schatten, wohl aber Fröste bis zu – 40° C, wie sie in ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten sicher keine Seltenheit sind. Dort ist sie auch weitgehend konkurrenzlos und kann sich voll entfalten. Im Flachland gelingt ihr das ohne menschliche Unterstützung nur selten, weil sie häufig von anderen Baumarten überschattet wird. Vermutlich ist auch genau das der Grund, warum sich die Lärchen nie von allein ins Flachland ausbreiten konnten, sondern ein Baum der montanen bzw. alpinen Regionen geblieben sind.

Gegen Luftschadstoffe erweist sich die Europäische Lärche recht widerstandsfähig, was sich auch mit dem jährlichen Abwurf der Nadeln erklären lässt. Die Schadstoffe werden so nicht über Jahre angereichert. Ozon kann die Nadeln jedoch kurzfristig beeinträchtigen.

Die jährlich anfallende Lärchenstreu ist im Reinbestand für die Bodenverhältnisse etwas kritisch, weil die Nadeln aufgrund ihres ungünstigen Kohlenstoff -Stickstoff-Verhältnisses am schwersten zersetzbar sind. Die Bodenorganismen können jährlich nur ca. 20 % der Streu umsetzen, und so bildet sich eine dicke Rohhumusschicht, in der die bodenwichtigen Nährstoffe gebunden bleiben.

Wo die Lärche außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes auftritt, ist sie häufig empfindlich gegen Spät- und Frühfröste, weil sie aufgrund der milderen Klimabedingungen einen verlängerten Vegetationszyklus entwickelt hat.

Neben diesen abiotisch verursachten Beeinträchtigungen sind die Lärchen aber auch diversen Schadorganismen ausgesetzt. Der Lärchenkrebs, der durch den Schlauchpilz Lachnellula willkommii ausgelöst wird, steht dabei wohl an erster Stelle – auch weil er eine erhebliche Wertminderung des Holzes mit sich bringt. Der Pilz befällt als Wundparasit Zweige, Äste und sogar den Stamm und ruft deutliche Gewebswucherungen hervor, die auch zum Absterben der Zweige führen können. Begünstigt wird der Pilzbefall in luftfeuchten Lagen, aber er tritt nicht bloß an den Ersatzstandorten der Ebene sondern auch in den Gebirgslagen auf.

Daneben können verschiedene Insekten wie Lärchenblattwespen, der Lärchenblasenfuß und der Graue Lärchenwickler durch den Nadelfraß Schäden an den Bäumen verursachen. Die Lärchen können zwar wie die Laubbaumarten neue Blätter bilden, werden aber durch den Nadelverlust und den neuen Austrieb geschwächt – insbesondere wenn eine solcher Insektenbefall jährlich auftritt. Der Lärchenborkenkäfer findet vor allem an alten und/oder geschwächten Bäumen gute Angriffsflächen und kann sie schnell zum Absterben bringen.

Zudem können Wurzelschwamm, Hallimasch und andere Pilze zu Wurzel- oder Stammfäule führen.

Von anderen Pilzen hingegen profitiert der Baum deutlich – so etwa von den Lärchen-röhrlingen und vom Lärchen-Milching, die an die Lärche gebunden sind, aber auch vom weniger spezialisierten Fliegenpilz. Diese Mykorrhizapilze bilden eine enge Versorgungs-gemeinschaft mit dem Baum – zu beiderseitigem Nutzen.

Die seit Jahrhunderten erfolgten Anpflanzungen der Lärche außerhalb der Gebirgsregionen geschahen sicher nicht vorrangig aus botanischem Interesse oder wegen der Schönheit des Baums. Es ging vielmehr um die Nutzung des Holzes und um die Gewinnung wertvoller Inhaltsstoffe. In der Hauptsache entschied man sich wegen ihrer schlanken und geraden Wuchsform für die Sudetenlärche, die auch heute noch bevorzugt angepflanzt wird, soweit man nicht auf die Japanische Lärche oder die Hybride setzt.

Das harzreiche Lärchenholz mit rotbraunem Kern und gelblichen Splint gilt als besonders wertvoll. Es trocknet schnell, ist sehr fest und dauerhaft. Zudem ist es wegen des hohen Harzgehalts unempfindlich gegen Pilzbefall. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde oder wird es im Wasser- und Schiffsbau, zur Herstellung von Fässern oder Zaunpfählen, aber auch für Fußböden oder Möbel verwendet. In Bayern nutzte man das Lärchenholz aus naheliegenden Gründen zur Herstellung der Holzschindeln. Es eignet sich auch sehr gut für diverse Holzkonstruktionen im Außenbereich, wie der ehemalige Sendeturm im heute polnischen Gleiwitz überzeugend belegt. Er wurde 1925 errichtet, ist bis heute erhalten und mit seinen 118 m Höhe zugleich der größte Holzturm der Welt.

Weniger auffällig und langlebig sind herbstliche Gestecke mit zapfenbesetzten Lärchen-zweigen. Aber auch die bloßen Zapfen sind ein beliebtes Deko-Material.

Neben dem Holz liefert das Lärchenharz aber auch noch das „Venezianische Terpentin“, das dem aus der Kiefer gewonnenen Terpentin in seinen Eigenschaften überlegen ist, aber ebenso durch schräges Anritzen der Rinde gewonnen wird. Seinen Namen erhielt das Lärchenterpentin, eine gelbliche, honigartige und wohlriechende Flüssigkeit, weil Venedig früher der zentrale Umschlagsplatz für diesen begehrten Rohstoff war. Es kann für technische Prozesse, als Zusatzstoff für Ölfarben, aber auch für Heilzwecke verwendet werden. Früher war das Lärchenterpentin unter dem Namen Terebinthina laricina als arzneiliche Droge in Apotheken erhältlich, und man stellte daraus verschiedene Heilsalben her.

Die Nadeln enthalten ätherische Öle. Deshalb lassen sich sie ähnlich wie Fichtennadeln als Badezusatz verwenden.

Um die Lärche ranken sich – allerdings nur im Alpenraum – auch allerlei Sagen. Danach bewohnten Baumfeen die Lärchenwälder. Dass man sich hier freundliche, dem Menschen wohl gesonnene und liebenswerte Gestalten vorstellte, hat sicher mit der heiteren Ausstrahlung der Lärche zu tun. Obwohl sie groß und stattlich werden kann, hat sie doch etwas Filigranes, heiter Anmutendes, und das Farbspektrum ihres Nadelkleids unterstreicht diesen Charakter zusätzlich. Die Feen halfen den Menschen in vielen Notlagen und beschenkten sie reichlich. Wo ihnen aber Menschen übel mitspielten und ihren Lebensraum zerstörten, sannen sie nicht etwa auf Rache, sondern sie verschwanden einfach. Vermutlich wird es diese zarten und freundlichen Wesen jetzt nirgendwo mehr geben, auch weil sie nicht mehr ins heutige Denken passen.

Ganz ohne Feenglauben genießen aber heute besonders spektakuläre Baumgestalten unsere Aufmerksamkeit und werden als schützenswerte Naturdenkmale ausgewiesen. Diesen Status erhielt z.B. auch eine eindrucksvolle Lärchenallee im Schweriner Ortsteil Friedrichsthal, die vor über 200 Jahren angelegt wurde. Viele dieser Bäume sind noch erhalten. Ursprünglich war die Allee 600 m lang. Durch Erweiterungspflanzungen erstreckt sich das Naturdenkmal heute über eine Länge von 1,9 km. Generell stellen aber Lärchenalleen eine große Ausnahme dar.

Rekordwerte in Bezug auf Alter, Höhe und Stammumfang wie in den Alpen oder in den anderen ursprünglichen Herkunftsgebieten der Europäischen Lärche sind weder in Nordrhein-Westfalen noch in den anderen Bundesländern zu erwarten. Dazu hatte die Art, seit sie hier in Kultur ist, bisher zu wenig Zeit.

Einer englischen Studie zufolge wirken sich Lärchen auf die Luftqualität in Städten deutlich besser aus als alle andere Baumarten. Diese Befunde sprechen klar dafür, die Lärche verstärkt ins Repertoire der Stadtbäume einzubeziehen – nicht nur im öffentlichen Raum, sondern durchaus auch in größeren Gärten, wo sie wegen ihrer aparten Erscheinung auch eine ästhetische Bereicherung bedeutet.

Dr. Ulrike Schaksmeier

Bahnhofstr.77

32457 Porta Westfalica 


Heide-Nelke – Blume des Jahres 2012

Mit der Wahl der Heide-Nelke (Dianthus deltoides) zur Blume des Jahres 2012 möchte die Loki-Schmidt-Stiftung eine Pflanze ins Blickfeld heben, die inzwischen schon in 7 Bundesländern als gefährdet auf der Roten Liste steht, so auch in NRW. In unserem Gebiet kommt die Art leider nicht vor. Trotzdem verdient sie besondere Aufmerksamkeit.

Wie alle heimischen Dianthus-Arten ist nämlich auch die Heide-Nelke nach der Bundesarten-schutzverordnung geschützt – unabhängig von ihrem regionalen Gefährdungsgrad. Sicher geht diese Schutzausweisung nicht auf den Gattungsnamen Dianthus zurück, der übersetzt „Blume des Zeus“ heißt und damit wohl eher auf die Schönheit und den Duft der Blüten verweist. Vielmehr sind alle Vertreter der Gattung durch eine veränderte Bodennutzung und Stoffeinträge aus der Luft in ihrem Bestand mehr oder weniger gefährdet.

Die Heide-Nelke gehört, wie es der Name schon nahelegt, zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) und ist an trockene, magere Standorte gebunden. Dazu zählen saure Magerwiesen mit kalkarmen Sand oder Lehmböden. Zudem ist die Pflanze ausgesprochen Licht liebend. Magerstandorte dieser Form werden aber zunehmend seltener, was auch den Rückgang der Art in vielen Gebieten erklärt.

Die Heide-Nelke ist eine ausdauernde Art und überwintert als Hemikryptophyt mit niederliegenden, verzweigten Sprossen, die je nach Alter der Pflanze und dem verfügbaren Platz ganze „Rasen“ bilden können. An diesen „Zweigen“ wachsen zahlreiche 1 -3 cm langen und 1 – 3 mm breite lanzettliche Stängelblätter in gegenständiger Anordnung. Im späten Frühjahr entwickeln sich die 10 – 30 cm hohen, aufrechten Blütenstängel mit meist nur einer, seltener zwei endständigen Knospen, die sich im Juni öffnen und zu sehr aparten, purpurroten Blüten mit einem Durchmesser von 1,2 – 1,8 cm entfalten. Die fünf radiär angeordneten Kronblätter sind am äußeren Rand gezähnt, besitzen am Kelchschlund silbrige Härchen und daneben meist eine dunkle, unregelmäßige Zeichnung, so dass ein Kreis entsteht. Weiße Tüpfelsaftmale komplettieren die Musterung.

Den Blütenduft ruft das ätherische Öl Eugenol hervor, das auch in den Gewürznelken enthalten ist. Dieser gemeinsame Geruch hat den Dianthus-Arten vermutlich auch den Namen Nelke eingetragen.

Der lange Kelch der Stieltellerblume, die von Tagfaltern bestäubt wird, ist durch zwei Hochblätter zusätzlich geschützt, die den seitlichen „Raub“ des Nektars durch andere Blüten-besucher verhindern. Wie bei vielen anderen Arten auch schließen sich die Blüten nachts und stehen damit den Nachtfaltern nicht als Nahrungsquelle zur Verfügung.

Nach erfolgter Bestäubung und Befruchtung der meist zwittrigen Blüten – Selbstbestäubung ist ausgeschlossen – entwickeln sich in den länglichen Kapselfrüchten flache, schalenartig geflügelte Samen. Wind, Tiere oder aber auch Regen sorgen für deren Verbreitung.

Die Art zählt zu den Kaltkeimern, was für die Kultur im Garten bedeutsam ist. Die Heide-Nelke eignet sich hervorragend für die Bepflanzung von Steingärten oder von besonders trockenen, aber sonnigen Plätze im Garten. Dort entfaltet sich die Pflanze bald zu einem ansehnlichen Polster. Hat sie sich etabliert, sorgt sie auch allein für Nachkommenschaft, sofern sie eine offene Stelle dafür findet. Gartenpflanzen dürfen allerdings wegen des Schutzstatus der Art nur im Fachhandel erworben werden, sind aber wegen der schönen Blüten in jedem Fall eine attraktive Zutat für die Blumenbeete und bieten zudem vielen Schmetterlingen Nahrung.

Wichtiger ist allerdings, dass die Heide-Nelke in der freien Landschaft dauerhaft erhalten bleibt oder dort gezielt gefördert wird, wo ihre Bestände bereits rückläufig sind.

Dr. Ulrike Schaksmeier, Bahnhofstr. 77, 32457 Porta Westfalica


 

Baum des Jahres 2011:

Die Elsbeere

Mit der Elsbeere ist nach dem Speierling (1993) und der Eberesche (1997) die dritte heimische Sorbus-Art zum Baum des Jahres gewählt worden. Während die Eberesche überall anzutreffen und fast ein Allerweltsbaum ist, gelten Speierling und Elsbeere bei uns immer noch als ausgesprochen seltene und kaum bekannte Arten.

Das „Kuratorium Baum des Jahres“ hat deshalb für 2011 die Elsbeere (Sorbus torminalis) ausgewählt, um sie gezielt ins Blickfeld zu heben und mit den Besonderheiten dieses schönen Baumes vertraut zu machen.

Das Verbreitungsgebiet der Elsbeere umfasst Mittel- und Südeuropa, reicht aber auch bis nach Kleinasien und Nordafrika. In Deutschland wächst sie nahezu überall – freilich extrem selten. In Schleswig-Holstein ist die Art bereits ausgestorben, und in einigen anderen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste - so in Niedersachsen, Mecklenburg-Pommern, Brandenburg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Das nördlichste Vorkommen der Art in NRW liegt gleich vor unserer Haustür – nämlich auf dem Südhang des Wiehengebirges nahe der Wittekindsburg.

Bisher nehmen die Elsbeer-Bestände bundesweit nur 1 % der Waldfläche ein, obwohl die Art seit einiger Zeit – vor allem im Rahmen von gezielten Projekten – wieder angepflanzt wird.

Das Verbreitungsmuster zeigt, dass die Elsbeere, die als Warmzeitrelikt bei uns, abgesehen von Gebirgslagen über 900 m, fast überall wachsen könnte, wenn sie sonst geeignete Bedingungen antreffen würde. Der Halbschatten und Trockenheit ertragende sowie Wärme liebende Baum, der bevorzugt an Waldrändern, in Gebüschsäumen, Eichen-Trockenwäldern und lichten Kalk-Buchenwäldern wächst und dort normalerweise allenfalls Höhen von 20 – 25 m erreicht, ist in den heutigen Wäldern mit dichtem Kronenschluss nicht konkurrenzstark genug und kommt dort entsprechend selten vor. Von der in früheren Jahrhunderten eher üblichen Mittel- und Niederwaldbewirtschaftung konnte die Elsbeere deutlich besser profitieren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ vom Blumenthal, einem ihm besonders lieben Wald, schwärmt: „…in reichstem Gemisch stehen alle Arten von Laub- und Nadelholz, Eiche und Edeltanne, Else und Kiefer, Buche und Lärchenbaum machen sich den Rang an Schönheit streitig….“. Die „Else“ zählte um 1860 offenbar noch zum selbstverständlichen Artenspektrum eines brandenburgischen Waldes. Heute steht sie auch dort auf der Roten Liste.

Die Elsbeere gehört wie auch der Baum des Jahres 2010, die Vogel-Kirsche, zur äußerst artenreichen Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und weist dementsprechend die typischen Blütenmerkmale – in der Regel fünf Kronblätter – auf. Die weißen, etwas unscheinbaren Blüten mit einem Durchmesser von 10 bis 12 mm, die sich zwischen Mai und Juni nach dem Laubaustrieb öffnen, stehen in lockeren, filzig behaarten Schirmrispen. Mit ihrem reichen Nektar- und Pollenangebot gelten sie als Bienenweide, werden aber auch von anderen Insekten besucht. Eine erfolgreiche Befruchtung findet allerdings nur statt, wenn sie Pollen von einer anderen Elsbeere mitbringen. Darin liegt eine entscheidende Hürde, weil es bei uns meist nur Einzelbäume gibt. Bei Selbstbestäubung entwickeln sich keine Samen, und selbst bei Fremdbestäubung liegt die Absterberate der Samenanlagen bei stattlichen 80 %. Nach der Befruchtung entwickeln sich aus den Blüten kleine Apfelfrüchte mit einer maximalen Länge von 18 mm und einer Breite bis zu 8 mm. Anfangs sind sie olivgrün, färben sich aber später braunrot. Durch zahlreiche helle Korkwarzen wirken sie punktiert. Zur Reifezeit im Oktober haben die Früchte eine teigig-mehlige Konsistenz und einen süß-säuerlichen Geschmack, der auf einen hohen Gehalt an Vitamin C zurückgeht. Außerdem enthalten sie ähnlich wie die Birnen kleine Steinzellennester. Die Früchte werden gern von Vögeln aufgenommen, die dann auch am erfolgreichsten an der Verbreitung der Art beteiligt sind, indem sie die Samen wieder ausscheiden. Heruntergefallene Früchte sind vor allem bei Mäusen beliebt und damit der Fortpflanzung entzogen, weil dabei mögliche Samen zerkaut werden.

Allein dieser Befund zeigt, dass die Elsbeere keine rekordverdächtige generative Vermehrungsstrategie entwickelt hat. Dieses Manko kann sie aber durch vegetatives Wachstum mit Stockausschlag und Wurzelbrut ausgleichen, was freilich nur sehr bedingt zur Verbreitung der Art führt.

Sämlinge, die im ersten Jahr schon die beachtliche Höhe von mehr als 80 cm erreichen, werden gern verbissen und damit z. T. vernichtet – ein weiteres Hindernis für die Vermehrung und eine zusätzliche Erklärung für die Seltenheit der Art.

Wichtiges Erkennungsmerkmal der Elsbeere während der Vegetationsperiode sind ihre Laubblätter, die eine sehr variable Form aufweisen können. Sie stehen aber stets mit 3 -5 cm langen Stielen wechselständig am Zweig und haben einen dreieckigen bis ovalen Umriss. Die Größe des Blattes reicht von 6 – 12 cm Länge und 7 – 15 cm Breite. Ein sehr entscheidendes Merkmal sind die beiderseits tief eingeschnittenen Lappen am Blattgrund, die in unterschiedlicher Zahl auftreten. Bei oberflächlicher Betrachtung sind deshalb durchaus Verwechslungen mit Ahorn oder Rot-Eiche möglich.

Oberseits sind die Blätter glänzend dunkelgrün, unterseits dagegen graugrün mit einer leichten Behaarung auf den Adern. Die Herbstfärbung der Elsbeere ist mit einem leuchtenden Gold oder Rot geradezu spektakulär, was ihr eigentlich schon aus ästhetischen Gründen dazu verhelfen sollte, jeden Park oder jede ausreichend große Grünanlage zu schmücken.

Im Winter ist eine Bestimmung der Art nur noch über Wuchsform, Rinde und Knospen möglich. Die Krone ist mit ausladenden, aber meist lockeren Ästen recht breit oder gar kugelig. Wie sehr sich diese Merkmale ausbilden können, hängt allerdings ganz erheblich von ihrem jeweiligen Standort ab. Optimal erreicht werden sie nur im Freistand. Solche so genannten Feld-Elsbeeren sind in Deutschland im Gegensatz zu Österreich ausgesprochen selten. Bisher sind nur etwa ein Dutzend solcher Solitäre bekannt. Einer steht in Blankenheim (Eifel).

Die grau-braune Rinde junger Bäume ist zunächst noch glatt. Später reißt sie auf und ist fein gefeldert. Die eiförmigen Winterknospen sind 7 – 9 mm lang und von grünen Knospen-schuppen mit einem feinen braunen Rand umgeben.

Der weniger sichtbare, aber sehr bedeutsame Teil des Baumes ist seine Wurzel. Die Elsbeere bildet eine bis zu 2 m tief reichende Pfahlwurzel aus, daneben auch ein seitlich ausgebreitetes Wurzelgeflecht, das in seinen Abmessungen meist den Kronendurchmesser übertrifft. Damit ist der Baum sehr fest im Boden verankert und kaum von Windwurf betroffen. Häufig werden aus diesen Seitenwurzeln Sprosse gebildet, die sich bei günstigen Bedingungen zu neuen Bäumen entwickeln, so dass ein kleiner, aber genetisch identischer Bestand daraus hervor-geht.

Elsbeeren erreichen ein maximales Alter 200 bis 300 Jahren und können dann in Einzelfällen einen Stammdurchmesser von mehr als 1 m erreichen. Ein besonders stattlicher Baum wurde 1990 in Arhus (Dänemark) gefunden. Sein Umfang betrug damals 4,20 m. Ein anderes außergewöhnliches Exemplar steht im niedersächsischen Groß Lengden mit einer Höhe von 35 m,und angeblich ist es die höchste Elsbeere der Welt.

Schon in der Antike nutzte man die Früchte der Elsbeere als Heilmittel. Der einstige botanische Name Sorbum torminale, den Aulus Cornelius Celsius erstmals 30 n. Chr. verwendet und der der heutigen Form Sorbus torminalis doch sehr ähnlich ist, weist ausdrücklich auf die Verwendung hin. Das Epitheton torminalis ist vom lateinischen tormina = Leibschmerzen bzw. Ruhr abgeleitet. So verwundert es auch nicht, dass die Elsbeere neben vielen anderen Namen auch als Ruhrbirne bekannt war. Welche Inhaltsstoffe der Früchte tat-sächlich Heilwirkung haben, ist bisher nicht genauer bekannt, zumal die Elsbeere in der Naturheilkunde heute keine Rolle mehr spielt. Es könnten die vorhandenen, aber nicht näher beschriebenen Flavonoide in Betracht kommen, die je nach Beschaffenheit antioxidative, antivirale, antibakterielle und antifungale Effekte haben.

In den mittelalterlichen Klöstern mit ihrem Heilwissen spielte die Elsbeere im Gegensatz zum Speierling keine Rolle. Die erste schriftliche Überlieferung des Namens Elsbeere ist aus einem Brief Luthers überliefert, in dem er 1526 seinen Mitstreiter Johannes Agricola um die von seiner Katharina geschätzten Elsbeerfrüchte bittet. Damals wusste man offenbar noch gut, welche Wirkungen die Elsbeerfrüchte hatten, wo Bäume standen und wie man sie nannte.

Die Früchte sind aber weitaus vielseitiger verwendbar als nur gegen Darmbeschwerden. Man kann u. a. Saft, Gelee oder Kompott daraus zubereiten. Viel begehrter scheint aber der Elsbeerbrand zu sein, der seine besondere Mandelnote durch die Mitverwertung der Samen erhält. Für eine Flasche muss man zwischen 150 und 450 Euro zahlen, wobei dieser Preis sicher – wie auch beim Holz – durch das knappe Angebot bestimmt wird.

Eine bei weitem wichtigere Bedeutung hat die Elsbeere aber als Wertholz-Lieferant. Das Holz ist schwer, hart, zäh und sehr elastisch und hat zudem einen warmen rötlichen Farbton. Deshalb ist es besonders in der Möbeltischlerei sehr begehrt, ebenso im Instrumentenbau, für Drechslerarbeiten und für alle sonstigen exklusiven Holzerzeugnisse wie etwa den Innenausbau repräsentativer Gebäude. Luxus dieser Art können sich freilich nur sehr zahlungskräftige Auftraggeber leisten, weil das Holz – auch wegen seiner Seltenheit – extrem teuer ist. Es kann durchaus vorkommen, dass für einen Festmeter Elsbeerholz, das üblicher-weise unter dem Namen „Schweizer Birnbaum“ angeboten wird, Preise von bis zu 30 000 Euro verlangt werden. Hauptlieferant des Elsbeerholzes ist derzeit Frankreich.

Nicht zuletzt unter diesem Aspekt sollte die Forstwirtschaft dem Elsbeer-Anbau deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken, auch wenn erst künftige Generationen davon profitieren können. An einem passenden Standort ist die Elsbeere zudem relativ anspruchslos und möglicher-weise bei vermehrt auftretenden Trockenphasen im Sommer anderen Gehölzarten gegenüber im Vorteil. Nennenswerter Schädlingsbefall ist nicht bekannt. Lediglich die Raupen des Blausiebs (Zeuzera pyrina) minieren gelegentlich die jungen Zweige. Gefährlicher kann ein Befall des Stamms mit Hallimasch werden, und der Verbiss der Wurzeln durch Wühlmäuse kann zur Schwächung des Baumes führen – ähnlich wie bei den meisten anderen Gehölzen auch.

Über Mythen und Jahrhunderte altes Brauchtum, die sich um die Elsbeere ranken, ist nichts bekannt. Allerdings hat sich im österreichischen Michelsbach unweit von Wien ein regel-rechter Elsbeer-Kult entwickelt. Die dort noch zahlreichen Bäume, die sich zudem im Freistand zu ihrer vollen Schönheit entwickeln konnten, werden im so genannten „Elsbeerreich“ bewusst gepflegt und beerntet. Alljährlich stehen zahlreiche Veranstaltungen in Verbindung mit der Elsbeere und ihren Produkten. Bei uns entfallen vergleichbare publikumswirksame Inszenierungen, weil die deutschen Elsbeeren meist nur vereinzelt wachsen und dann weitgehend im Schatten anderer Bäume.

Gelegentlich wird die Elsbeere dennoch in besonderen Aktionen gewürdigt. So wurde 1999 im Rahmen des Lutherin-Jubiläums in Wittenberg ein Katharina-Baum gepflanzt, weil sie (s. o.) eine aktenkundige Vorliebe für die Elsbeerfrüchte hatte.

Erwähnenswert ist zudem der seit 1993 bestehende „Förderkreis Speierling und Elsbeere“ (unter www.corminaria.de erreichbar), der nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz des engagierten Forstmanns Kausch-Blecken von Schmeling für beide Arten zu danken ist. In jahrzehntelanger Forschungsarbeit hat er sich mit der Erfassung noch vorhandener Elsbeeren und Speierlinge, der Saatgutgewinnung und der Nachzucht der in ihrem Bestand gefährdeten Bäume befasst und auch für umfangreiche Neupflanzungen gesorgt.

Man muss das nicht allein den Forstleuten überlassen. Die Elsbeere lässt sich nicht bloß im Wald fördern, sondern man sollte ihr auch ein solitäres Wachstum ermöglichen – vielleicht sogar in einer großzügig angelegten Obstwiese. Durchaus geeignet ist sie auch für den öffentlichen Raum – auf Parkplätzen oder als Begleitbaum an Nebenstraßen, von Parks und kleineren Grünflächen ganz abgesehen. Mindestens in den Gebieten, in denen die Elsbeere seit Jahrtausenden Heimrecht hat, sollte man ihr – nicht nur in diesem Jahr – eine Chance geben und sie pflanzen. Zahlreiche Baumschulen bieten die Art in diversen Größen an.


Verfasserin:

Dr. Ulrike Schaksmeier

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