Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

Das Leben der Bauern im Mittelalter

Überfälle von Raubrittern und kriegerische Landesfehden machten das Leben der Bauern im Mittelalter unruhig und unsicher. Vermutlich geht auf das Bestreben der jeweiligen Grundherren auch die Zusammenlegung kleinerer Siedlungen zurück, die sich dann vorwiegend um die Kirche herum verdichteten. So entwickelte sich z.B. Eisbergen aus vier oder fünf Ortschaften. Während die Ackerfluren erhalten blieben, fielen die ehemaligen Gehöfte „wüst". Solche Wüstungen sind u.a. bei Veltheim (Helen) und Nammen/Wülpke (Hohnrode) nachgewiesen.

Die von den Franken eingeleitete Grundherrschaft setzte sich fort. Es gab verschieden abgestufte Abhängigkeitsverhältnisse, von der harten Leibeigenschaft bis zur milderen erbmeyerstättischen Gerechtigkeit. Grund und Boden gehörten dem „Grundherren", meist ein Adliger oder auch der Landesherr, so z.B. der Bischof in Minden. Die ihm „hörigen" Bauern wurden in Villikationen zusammengefasst. Die eigengehörigen Bauern besaßen ein erbliches Besitzrecht, wirtschafteten selbstständig und konnten bei Auseinandersetzungen mit ihrem Grundherren gegen diesen klagen. Ihm waren allerdings Abgaben zu zahlen und Dienste zu leisten. Zu Michaelis (23. September) wurden die „Michaelisgeldrente" und Naturalabgaben gezahlt. Leibeigene hatten auch noch das so genannte „Gefälle" zu zahlen. Bei Leibeigenschaft waren bei Zuzug weiterer Personen auf einen Hof die „Auffahrt" (auch „Weinkauf"), im Todesfall der „Erbfall" oder bei Wegzug das „Wechselgeld" zu zahlen. Gerade dieses „Freikaufen" stürzte die Betroffenen in arge wirtschaftliche Schwierigkeiten, die zur Verarmung führten.

Wurde die Familie der abhängigen Leute zu groß für das überlassene Land, so wurde neues Land durch Rodung von Wäldern und Trockenlegung von Sümpfen urbar gemacht. Der zunehmend größer werdende Grundbesitz veranlasste den Grundherren, einen oder mehrere Meier mit der Verwaltung zu beauftragen. Der Meier (auch Villicus) zog den „Zehnten" ein und führte ihn an den Grundherren ab. Ursprünglich war der „Zehnte" eine Abgabe an die Kirche. Außer den eigenen „Hand- und Spanndiensten" musste der Meier auch die Dienste der ihm unterstellten Bauern organisieren. Das bedeutete, dass man für den Grundherren eine bestimmte Anzahl von Tagen mit einem vollen oder halben Gespann oder entsprechenden Handdiensten zur Verfügung stehen musste. Zu einem vollen Gespann, wie es in der Regel die Vollmeier besaßen, gehörten 4 bis 6 Pferde. EinHalbmeierhof verfügte über 2 bis 3 Pferde. Im Gegenzug für seine Verwaltungsarbeit erhielt der Meier besonders große und gute Ländereien.

Da die Bauern den größten Teil der wirtschaftlichen Werte des Landes erarbeiteten und als Steuerzahler den Staat und seine Einrichtungen finanzierten, hatte der Landesherr, wenn er gleichzeitig Grundherr war, kein besonderes Interesse daran, den Bauernstand zu ruinieren. Kleinere Landadlige hatten als Grundherren da wohl weniger Skrupel, so dass die Bauern häufig über ungerechte Landwegnahme zu klagen hatten.

Die mangelnde Zeit der Grundherren für die Bewirtschaftung ihres Besitzes ließen die Meier im Verlaufe der Zeit von reinen Verwaltern zu selbstständigen Besitzern ihrer Höfe werden. Sie zogen die Abgaben der unfreien Bauern jetzt für sich selbst ein, hatten aber als Gegenleistung bestimmte Verpflichtungen ihren Grundherren gegenüber. Stattliche Meierhöfe finden sich noch in einigen der ländlich geprägten Stadtteile Porta Westfalicas, so in Neesen, Nammen, Wülpke, Kleinenbremen, Eisbergen, Veltheim und Costedt.

 

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