Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

Reinhard Busch

Zur Geschichte der KZ-Außenlager an der Porta Westfalica

Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland
Schon 1933 waren von den Nationalsozialisten Konzentrationslager eingerichtet worden um politische Gegner auszuschalten. Später wandelte sich die Struktur dieser Lager. Fast alle Lager der Anfangsphase - die sogenannten „wilden" Lager - wurden in den Jahren 1936/37 aufgelöst. Neue Lager entstanden ab 1937. Außer Widerstandskämpfern, politischen Gegnern oder anderen offenen Kritikern des Regimes wurden Homosexuelle, Juden, Zigeuner und Asoziale (ein Begriff, der sehr willkürlich und umfassend ausgelegt wurde) in diese Lager gebracht, deren Zahl ständig stieg.
Allen Lagern war gemeinsam, dass die Häftlinge in ihnen unter den denkbar schlechtesten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten. Lange Arbeitszeiten, schlechte Ernährung, unzureichende Kleidung, mangelnde ärztliche Versorgung und schlechte hygienische Verhältnisse führten zu zahlreichen Todesfällen. Die Situation der Häftlinge wurde auf Grund der bewusst schikanösen Behandlung durch die SS, die die unmittelbare Herrschaft im Lager „Kapos" übertrug, noch verschlimmert. Kapos waren - in vielen Fällen kriminelle - Häftlinge, die von der SS zur Ausübung von bestimmten Funktionen im Lager eingesetzt wurden und die eine große Strafgewalt besaßen.
Etwa ab 1942 wurden die Häftlinge der Konzentrationslager in immer stärkerem Maße in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Zu diesem Zweck wurden von den größeren Lagern, den sogenannten Stammlagern, Außenkommandos bei Rüstungsbetrieben eingerichtet. Im März 1944 gab es 22 Konzentrationslager mit 165 Außenlagern, im November 1944 waren es auf Grund des starken Arbeitskräftebedarfs der Industrie dagegen bereits etwa 500 Außenkommandos. Ende 1944 waren etwa 700.000 Menschen aus allen Ländern Europas in den deutschen Konzentrationslagern inhaftiert; der größte Teil von ihnen war in der Rüstungsproduktion eingesetzt.
In den Konzentrationslagern des „Dritten Reiches" und ihren Außenkommandos starben, vor allem in den letzten Kriegsjahren, mehrere hunderttausend Menschen. Von den Konzentrationslagern im engeren Sinn sind die Vernichtungslagerwie Treblinka, Sobibor, Belzec oder Auschwitz-Birkenau zu unterscheiden, in denen Menschen fabrikmäßig ermordet wurden. In ihnen starben seit dem Beginn der Massenvernichtungen im Jahr 1942 etwa 6 Millionen Menschen.

Konzentrationslager Neuengamme

In Hamburg-Neuengamme hatte die SS am 3.9.38 eine stillgelegte Ziegelei gekauft, die sie wieder in Betrieb nehmen wollte. Das Werk war als Arbeitsstätte für KZ-Häftlinge vorgesehen, es wurde von 1938 bis 1940 als Außenlager des KZ Sachsenhausen geführt, danach als selbständiges Hauptlager. Die Klinker aus diesem Werk waren zur „nationalsozialistischen Umgestaltung" der Hansestadt bestimmt. Die Überfüllung des Lagers und die unzureichenden sanitären Verhältnisse führten im Winter 1941/42 zu einer Flecktyphus-Epidemie, die ca 1.600 Todesopfer forderte. Zeitweise starben bis zu 120 Menschen am Tag.
Ab 1942 wurden in Neuengamme zunehmend Waffen bzw. Waffenteile und Ausrüstungsgegenstände für die Wehrmacht hergestellt. Ebenfalls ab 1942 wurden über 70 Außenlager eingerichtet, die zusammen weit mehr Häftlinge hatten als das Stammlager selbst. Das Stammlager Neuengamme wurde im April 1945 geräumt, die Häftlinge auf Schiffe in der Neustädter Bucht nördlich von Lübeck gebracht. Zwei dieser Schiffe, die „Cap Arcona" und die „Thielbeck" wurden am 3.5. von britischen Jagdbombern versenkt, etwa 7000 Häftlinge starben, weil die SS-Führung den Kapitänen das Setzen der weißen Flagge verboten hatte.
Insgesamt gab es in Neuengamme und den Außenlagern von 1938 bis 1945 etwa 106.000 Häftlinge, von denen etwa 55.000 umkamen.

Die Kriegslage 1943/44
Das Entstehen der Lager an der Porta Westfalica, fern von allen klassischen Industriegebieten, war eine unmittelbare Folge der Kriegslage 1943, in der Deutschland auf allen Kriegsschauplätzen in die Defensive gedrängt wurde. Im Januar 1943 hatten Roosevelt und Churchill in Casablanca einen strategischen Bombenkrieg gegen Deutschland vereinbart. Kriegswichtige Schlüsselindustrien sollten bevorzugt in Tagesangriffen amerikanischer B17- und B24-Bomber zerstört werden. Zunächst griffen die Amerikaner ab Sommer 1943 die Jagdflugzeugwerke und die Kugellagerindustrie an, ab Mai 1944 Raffinerien und Hydrierwerke, wodurch die Produktion von Autobenzin auf ein Viertel reduziert wurde, die Produktion von Flugbenzin noch stärker.
Die Strategie der Westalliierten, durch eine Vernichtung oder starke Reduzierung der Produktion von einigen Schlüsselprodukten der Kriegswirtschaft dem Dritten Reich die Fortsetzung des Krieges zu erschweren oder gar unmöglich zu machen, wurde schnell erkannt. Eine Behebung dieser Notlage versprach neben einer gesteigerten Abwehr der Bomberverbände die Verlagerung der wichtigsten Kriegsproduktionen unter die Erde. Neben zahlreichen anderen Standorten wie z.B. Dora-Nordhausen erinnerte man sich in dieser Situation auch an die großen Höhlen beiderseits der Porta, die beim Abbau von Sandstein bis etwa 1912 entstanden waren.

Die unterirdischen Sandsteinbrüche
Bis in die Jahre vordem ersten Weltkrieg waren beiderseits des Weserdurchbruchs Sandsteine gebrochen worden. Auf dem rechten Ufer im Jakobsberg waren durch den Gesteinsabbau zwei Stollensysteme entstanden. Eines befand sich unmittelbar an der Straße, die durch die Porta führt (die heutige B 482). Dieses System umfasste vor Beginn der Verlagerung etwa 1000 m2.


Stollenvorplatz und Eingang zu der unterirdischen Raffinerie "Dachs I"

Das zweite System befand sich am Südhang des Jakobsberges. Die Eingänge befanden sich an der Gaststätte „Schöne Aussicht". Dieses System lag entsprechend der aufsteigenden Schicht des Sandsteins südlicher und höher als das untere System. Es handelt sich um fünf etwa von West nach Ost parallel verlaufende Stollen, die bis zu 30m hoch waren. Die Steine wurden mit einer Standseilbahn, dem sogenannten „Bremsberg", den Berg hinabtransportiert bis zum Vorplatz des unteren Steinbruchs.


Auf der linken Seite der Weser, im Wittekindsberg, befand sich unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals ein weiterer unteriridischer Steinbruch. Dieser „Denkmalstollen" war etwa 150m lang, 10m breit und 20m hoch. Der Zugang verlief über die heutige Freilichtbühne und die heutige Schießbahn des Schützenvereins, an deren hinterem Ende sich der Eingang befand.

Die KZ-Außenlager an der Porta Westfalica Barkhausen

Am 1.3.1944 berief der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion den sogenannten „Jägerstab", der die Jagdflugzeugproduktion sichern und steigern sollte. Die Baumaßnahmen und die Einrichtung von KZ-Außenlagern zur Bereitstellung von Arbeitskräften wurde seit dem 16.3.1944 vom „Sonderstab Kammler" der SS organisiert. Porta wurde Sitz der SS-Sonderinspektion I, die im Hotel Großer Kurfürst untergebracht war und für Porta, Helmstedt, Lengerich und Hannover zuständig war. Die Bauvorhaben in Porta wurden geleitet vom SS-Führungsstab A II im Hotel Kaiser Friedrich in Hausberge.
Bereits am 16.3. wurden die Stollen im Jakobsberg beschlagnahmt und die ersten 300 KZ-Häftlinge aus Buchenwald, unter ihnen Pierre Bleton, nach Porta transportiert, wo sie am 19.3. eintrafen. Sie wurden im beschlagnahmten Festsaal (der heutigen Reithalle) des Hotels „Kaiserhof in Barkhausen untergebracht. Die damalige Leitung des Hotels hatte mit dem Lager nichts zu tun. Das erste Lager war entstanden, das vermutlich im April als Außenlager „Barkhausen" bzw. „Lager Porta" dem KZ Neuengamme bei Hamburg unterstellt wurde. In den ersten zwei Monaten mussten die Häftlinge aufdem Boden des Saales schlafen, später mussten sich zwei oder gar drei Männer ein Bett (1,80m x 0,70m) teilen. Im Herbst 1944 waren für 1400 Häftlinge 700 Betten in dem 25m langen und 15m breiten Saal vorhanden. Sie waren an den Längsseiten vierstöckig aufgebaut. Strohsäcke und Decken waren - soweit überhaupt vorhanden - verdreckt und verschlissen. Die Lebensmittelversorgung war sowohl in der Qualität wie in der Zusammensetzung der Lebensmittel völlig unzureichend, zumal Kapos, Vorarbeiter und Wachmannschaften sich zuerst bedienten, nachdem bereits von der Lagerleitung Lebensmittel abgezweigt wurden. Zudem war die Versorgung sehr ungleichmäßig.
Zu der mangelhaften Unterbringung und schlechten Ernährung kamen eine unzureichende ärztliche Versorgung und schwere Arbeit. Das Krankenrevier bestand zunächst aus einer Ecke des Saales, in der lediglich acht Kranke aufgenommen werden konnten. Erst im Dezember 1944 wurde das Revier in eine Baracke im Lagerhof verlegt. Sie bot Platz für 50 bis 70 Leute, obwohl es täglich mehr als 200 Kranke gab. Geregelte ärztliche Versorgung gab es nicht. Wer längere Zeit krank war, wurde als sogenannter „Muselmann" in Sammeltransporten nach Neuengamme oder Bergen-Belsen gebracht. Über das Schicksal dieser Personen ist wenig bekannt, die meisten von ihnen dürften in diesen Lagern umgekommen sein.
Die Häftlinge mussten Tag und Nacht in Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten; Sonntags- und Wochenendruhe gab es nicht. Die Tagschicht dauerte von 7°° bis 19°° Uhr und die Nachtschicht von 19°° bis 7°° Uhr. Da in die jeweilige Freischicht noch Essenszeiten, Appelle und Anmarschwege fielen, dauerte eine Arbeitsschicht etwa 15 bis 16 Stunden. Der wöchentliche Schichtwechsel war Sonntag Mittag, wodurch jeder Schicht am Sonntag nur wenige Stunden Ruhe blieben.

 

Der Denkmalstollen unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals


Es ist klar, dass unter diesen Bedingungen die Sterberate unter den Häftlingen sehr hoch sein mußte. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, es wird allerdings angenommen, dass etwa 500 bis 600 Häftlinge in Barkhausen starben. Damit war hier die Todesrate höher als in Buchenwald oder Mauthausen! Die überwiegende Zahl der Toten ist auf die schon genannten Bedingungen zurückzuführen, die durch häufige Misshandlungen und tödliche Arbeitsunfälle noch verschlechtert wurden. Die Zahl der Exekutionen ist nicht genau feststellbar, als sicher gilt eine Zahl von etwa 15 bis 18 Todesurteilen, im wesentlichen wohl wegen gescheiteter Fluchtversuche.
Am Bau der Anlagen für die Rüstungsbetriebe arbeiteten nicht nur KZ-Häftlinge. Die bergmännischen und anderen Facharbeiten wurden von deutschen Fachkräften ausgeführt, die zum Teil aus der unmittelbaren Umgebung kamen, zum Teil von auswärtigen Firmen nach Porta entsandt wurde. Auch Luftwaffensoldaten waren hier eingesetzt, sowohl als Arbeiter wie als Bewacher der Häftlinge. Die Arbeit brachte es mit sich, dass es Kontakte zwischen dem Zivilpersonal und den Häftlingen gab, obwohl das verboten war. Es ist aus mehreren Häftlingsberichten überliefert, dass den Häftlingen von Zivilisten Lebensmittel zugesteckt wurden, was ebenfalls verboten war. Diese menschlichen Einzelaktionen konnten die organisierte Unmenschlichkeit des Systems natürlich nicht wesentlich mildern.

Ausbau der Anlagen
Wegen der schweren Bombenangriffe auf die Ölindustrie im Juni 1944 wurden dem Jägerstab bald darauf die unterirdischen Flächen im Jakobsberg entzogen. Die bereits eingebauten Maschinen des Presswerks für Jagdflugzeugteile wurden wieder ausgebaut und die unteren Stollen auf 6500 m2 erweitert. Sie waren jetzt für eine Schmierölraffinerie mit dem Tarnnamen „Dachs I" vorgesehen, die zum Teil aus Misburg bei Hannover nach Porta verlagert werden sollte.

 

                                        Innenansicht der Schmierölraffinerie "Dachs I"

Die Anlage war für eine jährliche Produktion von 5500t Flugzeugschmieröl vorgesehen und bei Kriegsende zu 85% fertiggestellt. Die Aufnahme der Produktion war für Mai 1945 vorgesehen. Der Rohstoff für die Raffinerie sollte von kleinen Anlagen (Tarnname „Ofen") kommen, wo dem Rohöl die leichten Bestandteile entzogen werden sollten. Die nächsten derartigen Anlagen waren „Ofen 1 und 2" bei Bögerhof südlich von Rinteln, wo Reste heute noch zu sehen sind. Es hat sich im Jakobsberg nicht um eine Kohle-Hydrieranlage gehandelt (wie auf Hinweistafeln am Jakobsberg behauptet wird. - die Herausgeber/innen).
Im oberen System mit der Tarnbeziehung „Stöhr I" wurden ab August/September 1944 Maschinen der niederländischen und deutschen Philips-Werke (Tarnname „Hammerwerke") eingebaut. Die in diesem System vorgefundenen hohen Stollen waren nur wenig erweitert worden. Um sie für die Produktion herzurichten waren Zwischendecken eingezogen worden. Die Betonteile hierfür hatte die Firma Weber in Lerbeck geliefert. Die auf diese Weise entstandenen Stockwerke (bis zu acht übereinander, je nach Lage der Sandsteinschicht) boten etwa 8000m2 Produktionsfläche. In diesem Stollensystem wurden etwa einen Monat lang (Februar/März 1945) Radioröhren für Funk- und Funkmessanlagen hergestellt. In einem kleinen Teil des oberen Systems produzierte die Stadthäger Firma Rentrop Teile von Fernlenkbomben.
Anfang Mai 1944 wurde mit den Ausbauarbeiten am Denkmalstollen (Tarnbezeichnung „Stöhr II") begonnen. In die 20m hohe Höhle wurden drei Decken aus Eisenbeton eingezogen, so dass vier Fabrikationshallen von je 133m Länge und 10m Breite entstanden. Insgesamt umfasste die Anlage 5320 m2. Drei Etagen wurden von der Mindener Firma Dr. Ing. Böhme bezogen, die dort etwa im Oktober 1944 Kugellager für das Jägerprogramm zu fertigen begann. In dieser Fabrik arbeiteten etwa 150 Menschen, davon ca. 120 Zwangsarbeiterinnen. Diese waren in einem Lager neben dem Stammbetrieb in Minden untergebracht, also keine Insassen des Lagers am Kaiserhof. Im vierten Geschoss produzierte die aus Aachen verlagerte Firma Veltrup Teile für Panzerabwehrwaffen, Handgranaten und Getriebe. Beschäftigt waren etwa 80 Personen, die wohl schon in Aachen in dieser Firma gearbeitet und die Verlagerung ihres Betriebes mitgemacht hatten.

Das zweite Außenlager: Lerbeck/Neesen

Große Teile des für den Stollenausbau nicht mehr benötigten Betonwerks Weber wurden am 4.9.1944 beschlagnahmt für ein Flugmotorenreparaturwerk der Firma Klöckner mit dem Tarnnamen „Bense & Co.", das wegen der näherrückenden Front aus den Niederlanden zurückverlegt wurde. Als Arbeitskräfte wurden 500 Häftlinge eingesetzt; darunter befand sich als Lagerschreiber auch Hermann Langbein, der in „Die Stärkeren" auch über seine Zeit in Lerbeck berichtet. Das Lager befand sich auf dem Gelände des „Pioniergerätelagers Lerbeck", dessen eine große Baracke Häftlingsblock wurde, während für Schreibstube, Küche und Revier eine zweite, kleinere Baracke neu errichtet wurde. Das Lagergelände lag auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Neesen, während das Reparaturwerk auf Lerbecker Gebiet lag. Dieser Umstand hat gelegentlich dazu geführt, von einem Neeser und/oder Lerbecker KZ-Lager zu sprechen. Es handelte sich jedoch um einen zusammenhängenden Komplex mit Lager und Arbeitsstätte. Wegen Mangel an Ersatzteilen kam es oft zu Arbeitsausfällen, außerdem fand die Arbeit in geschlossenen Räumen statt, galt daher als nicht besonders schwer. Dass die Bedingungen im Lager trotzdem sehr schlimm waren, lag einmal an der ständigen Unterernährung der zum Teil schon völlig entkräftet ankommenden Häftlinge, aber auch an dem Verhalten der Lagerkommandanten und der Brutalität des Lagerältesten.

Das Frauenlager Hausberge
Für den Betrieb der Philips-Werke wurde ein drittes Lager eingerichtet, das östlich des Frettholzweges beiderseits des Mindener Weges entstand. Hier wurden zunächst 150 bis 200 Männer und später außerdem etwa 1000 Frauen untergebracht. Eingerichtet wurde das Lager zu Beginn der Produktion, also etwa im September 1944 für die Männer. Anfang März 1945 kamen die Frauen dazu. Knapp die Hälfte dieser Frauen waren niederländische Jüdinnen, eine weitere knappe Hälfte ungarische Jüdinnen. Die Niederländerinnen hatten bereits im KZ Vught in den Niederlanden für Philips gearbeitet, waren dann als geschlossene Gruppe in ein Außenlager von Auschwitz und schließlich nach Hausberge verlegt worden. Ebenso wie die Ungarinnen entgingen sie nur deshalb dem Gas, weil man sie als Fachkräfte brauchte. Der Weg zur Arbeit führte für sie über den Schwollmannsweg, der im Zusammenhang mit dem Ausbau des oberen Systems im Jakobsberg verbreitert worden war, in die unterirdische Fabrik. Auch dieses Lager unterstand dem SS-Stab an der Porta. Die Bedingungen waren ähnlich wie in den anderen Lagern, jedoch war die Arbeit körperlich leichter. Über Todesfälle in diesem Lager ist nur wenig bekannt, sie dürften schon aufgrund der Tatsache, dass die meisten Insassen nur etwa einen Monat hier lebten, wesentlich geringer gewesen sein.

Die Evakuierung
Am 19.3.45 wurden die dänischen Häftlinge im Rahmen der „Bernadotte-Aktion" des schwedischen Roten Kreuzes über Neuengamme nach Schweden freigelassen. Am 1.4.45 (Ostermontag) wurden alle drei Lager an der Porta Westfalica aufgelöst, die Insassen mit einem Güterzug von über 40 Waggons Richtung Nordosten abtransportiert. Sie kamen über verschiedene Zwischenstationen nach Wöbbelin, von wo ein Teil noch nach Neuengamme gebracht wurde. Auf dem Transport, der für einen Teil des Zuges 16(!) Tage dauerte, starben etwa 2400 der 4000 Häftlinge aufgrund der katastrophalen Bedingungen. Etwa 80 Häftlinge und zwei Bewacher mussten sich einen Waggon teilen, die Häftlinge erhielten über mehrere Tage hinweg weder Essen noch Wasser; Häftlinge, die vor dem Transport schwer arbeiten mussten, aber schlecht ernährt wurden und unter primitiven Bedingungen gelebt hatten. Die Anfälligkeit war entsprechend groß.
Während der größere Teil der überlebenden KZ-Insassen in Wöbbelin am 2.5.45 von amerikanischen Truppen befreit wurde, starben die nach Neuengamme Evakuierten am 3.5. in der Lübecker Bucht (s.o.).

Andere Anlagen
Neben den drei Stollenanlagen im Wittekindsberg und im Jakobsberg gab es in der Nähe der Porta Westfalica weitere Bauvorhaben, die der unterirdischen Betriebsverlagerung dienen sollten. In Teilen des Häverstädter Eisenerzbergwerks (Weserstollen, an der Südseite des Wiehengebirges an der B 61) wurden wohl ab März 1945 Rüstungsgüter von der Weserhütte Bad Oeynhausen hergestellt, zumindest stand die Fabrikation kurz bevor. Ein Teil des Häverstädter Stollens wurde ebenfalls für die Verlagerung von Rüstungsbetrieben vorbereitet. Für die Ausbauten in beiden Stollen wurden Häftlinge des Lagers Barkhausen herangezogen.
Die Erzbergwerke in Kleinenbremen und Nammen sollten ebenfalls Rüstungsbetriebe aufnehmen. Der Ausbau der ausgeerzten Stollen war unterschiedlich weit fortgeschritten, am weitesten wohl im sogenannten Schermbecker Stollen (Tarnbezeichnung „Elritze l"), der 28000 m2 Produktionsfläche bot. Hierhin sollte ein Werk des Flugzeugherstellers Focke-Wulf verlagert werden. Die Bauten in Kleinenbremen und Nammen waren organisatorisch der Organisation Todt (OT) unterstellt und hatten mit den KZ-Lagern nichts zu tun; allerdings waren auch in ihnen Zwangsarbeiter eingesetzt.

Nach dem Krieg
Das linke Weserufer in Barkhausen wurde am 3.4.45 von amerikanischen Truppen erreicht. In den frühen Morgenstunden des 6.4. überschritten sie unmittelbar neben der gesprengten Brücke die Weser und besetzten nach zum Teil heftigen Kämpfen das Gebiet der heutigen Stadt Porta Westfalica. Die Rüstungsanlagen in den Bergen um die Porta Westfalica wurden von den Amerikanern fotografiert (die Bilder sind zum Teil erhalten). Nach kurzer Zeit wurden die amerikanischen Truppen wegen der Einteilung der Besatzungszonen durch britische ersetzt. Die unterirdisch installierten Einrichtungen und Maschinen wurden demontiert und kamen zum Teil in die Werke zurück, von denen sie herangeschafft worden waren. Der Denkmalstollen im Wittekindsberg wurde am 23.4.1946 auf Anordnung der britischen Besatzungsbehörden gesprengt um ihn für Rüstungszwecke unbenutzbar zu machen. Bei der Sprengung rutschte ein Teil vom Vorplatz des Kaiserdenkmals ab, das Denkmal selbst blieb unbeschädigt.
Die Stollenanlagen im Jakobsberg sollten 1948 ebenso gesprengt werden, es blieb jedoch bei einer Sprengung des oberen Systems, das untere System blieb zum großen Teil unversehrt und zugänglich. Hier wurden 1952/53 Champignons gezüchtet. Der ehemalige Festsaal des Hotels Kaiserhof wurde nach dem Krieg zu einer Reithalle umgebaut. Das Lager am Pfahlweg wurde ebenso beseitigt wie das Lager am Frettholzweg. Hier blieb lediglich eine Wachbaracke erhalten. Am Hang des Jakobsberges nach Nordosten hin erinnern noch einige Betontanks an die Raffinerie, ebenso einige Betontrümmer in einer Geländerinne (dem ehemaligen Bremsberg) entlang des Wanderweges vom Bahnhof Porta zur „Schönen Aussicht".
Die Toten der Lager wurden auf den Friedhöfen Barkhausen und Lerbeck exhumiert und zum Teil in ihre Heimatländer überführt. An die dort noch bestatteten Opfer erinnern schlichte Grabsteine.
 

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