Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

Preußen und Franzosen



Kriegerische Auseinandersetzungen und die damit einhergehende Unterdrückung und Verarmung prägten immer wieder das Leben der Bevölkerung in den folgenden Jahrzehnten. Während der Auseinandersetzungen zwischen Frankreichs König Ludwig XIV. und Holland (1672 bis 1678), in denen das Kurfürstentum Brandenburg die Holländer unterstützte, belagerten und plünderten französische Truppen die Schalksburg und Teile Eisbergens.


Mit der Krönung des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg, dem Sohn des Großen Kurfürsten, zum König von Preußen (Friedrich 1.) begann der Aufstieg Brandenburg-Preußens. Ein großes Heer, das durch eine Förderung des Handels und indirekte Steuern finanziell unterhalten wurde, erforderte eine ausgedehnte Staatsverwaltung, für die eine Beamtenschicht herangebildet wurde. 1719 vereinigte Friedrich Wilhelm 1., der Soldatenkönig, ein Enkel des Großen Kurfürsten, das Fürstbistum Minden mit Ravensburg.


Als Flecken hatte Hausberge seit dem späten Mittelalter mindere Stadtrechte. Die Einwohner hatten das alleinige Recht am „Fleckenwald", dem Hainholz. Sie hatten das Marktrecht und das Recht zur Selbstverwaltung mit freien Bürgermeisterwahlen inne. Mit der Verleihung der Stadtrechte (1720) durch König Friedrich Wilhelm 1. war man zur Zahlung von indirekten Steuern auf eingeführte Waren verpflichtet, mit denen dieser seine Staatsfinanzen und Militärausgaben aufbessern wollte. Diese Akzise-Einnahmen wurden von der Kriegs- und Domänenkammer, Vorläufern der späteren Bezirksregierungen, in Minden streng überwacht. Die Folge waren Einschränkungen für den Handel und eine erneute Verarmung des Gemeinwesens. Das Recht zur Selbstverwaltung wurde vom preußischen Staat ebenfalls abgeschafft.


Der von Friedrich II. (dem Großen) begonnene 7jährige Krieg (1756 bis 1763) brachte erneut französische Besetzer in unser Gebiet. Durch die hohen Kontributionszahlungen und die lange Einquartierung preußischer Soldaten und Invaliden wurden die Bürger auch in Friedenszeiten erheblich belastet.


Während der Napoleonischen Kriege (1806 bis 1813) war das Gebiet um die Porta Westfalica das letzte Mal unter französischer Herrschaft. Sie führte zu einer wirtschaftlichen Schwächung und zur politischen Umgestaltung. Französisch wurde Amtssprache, die Verwaltung gliederte sich in Kantone, Distrikte und Departements. Das Königreich Westfalen, westlich der Elbe und östlich der Weser, wurde von Napoleons Bruder Jerome regiert. Die Weser bildete auch eine Zollgrenze, so dass der Handel mit Minden oder auch Barkhausen erheblich erschwert wurde. Hohe neue Steuern trugen zusätzlich zum wirtschaftlichen Niedergang und zur Verarmung der Bevölkerung bei. Nach französischem Vorbild wurde die Gewerbefreiheit eingeführt, welche Handwerker und andere Gewerbetreibende bei der Niederlassung und Führung ihrer Betriebe von den jahrhundertealten Regeln der Zünfte und Gilden entband. Handwerksbetriebe siedelten sich an, neue Mühlen wurden errichtet.1816 wurde die Preußische Provinz Westfalen gebildet, zu der auch der Verwaltungsbezirk Hausberge gehörte. Aufgrund der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen war der preußische Staat verarmt, so dass ab 1820 Teile seiner Liegenschaften wie Gut Wedigenstein, Gut Rothenhoff und das Gebäude auf dem Schlossbrink (ehemalige Schalksburg)in Privatbesitz übergingen. Schon während der französischen Besatzungszeit war die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben worden. Mit der Ablösungsordnung von 1829 wurde die Möglichkeit gegeben, gegen den 25fachen Wert der jährlichen Abgabeleistung, die grundherrlichen Lasten abzulösen. Zur Aufbringung der hohen Ablösesummen mussten sich die Bauern jedoch entweder langfristig verschulden oder Teile ihres Landes verkaufen.



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