Naturschutz und Heimatpflege Porta e.V. (NHP)

 

Hausberge 

(Aktualisierte Version der Tour 3 des  1. Bandes "Wandern, Radeln, Erkunden") 

 

Startpunkt unserer Tour ist der Parkplatz am Einkaufsmarkt WEZ, unmittelbar hinter der Weserbrücke gelegen.

Die Geschichte Hausberges ist eng mit dem Geschlecht der Edlen Herren zum Berge verknüpft, die 1096 das erste Mal urkundlich erwähnt werden. Sie gaben dem Haus zum Berge (der Schalksburg) und damit dem sich später entwickelnden Flecken Hausberge ihren Namen.

Von der Bushaltestelle direkt an der Schalksburgpassage geht es nordwärts, bis rechts ein schmaler Fußweg, der Schlossbrink, abzweigt. Rechts am Weg liegt die ehemalige Schloßmühle (Infotafel am Gebäude). Links oberhalb befindet sich die Schalksburg.

Das Alter des heute hier stehenden Gebäudekomplexes ist nicht genau bekannt. Man vermutet, dass er nach 1723 entstanden ist, als die damals allmählich verfallende Schalksburg auf Geheiß Friedrich Wilhelm I. hin abgerissen wurde. Doch der Reihe nach...

Der Schlossbrink war im frühen Mittelalter ein günstiger Standort für eine Burganlage. Geschützt durch die unberechenbare Weser und den noch bis an den Fluss ragenden Jakobsberg (siehe Tour 2), die waldreichen Hügel und sumpfigen Täler der Hausberger Schweiz im Rücken, lag die Burg etwas abseits der mittelalterlichen Verkehrswege, die nicht nur von friedlichen Händlern benutzt wurden. Der Hellweg, eine Art mittelalterliche „Fernverkehrsstraße" führte z.B. am linken Weserufer unterhalb des Wittekindsberges entlang. Die zahlreichen Quellen im unteren Kirchsiek lieferten Wasser für den Burggraben, aber auch Trinkwasser für die Bewohner.

Als „Schalarborg" oder „Schalksburg" wurde sie im Jahre 1019 als Besitz der sächsischen Grafen der Billunger erwähnt. Vom 11. Jahrhundert an war sie der Stammsitz der Edlen Herren zum Berge, die von hier aus als Stiftvögte den Mindener Bischof in Rechtsangelegenheiten vertraten. In ihrem Wappen trugen sie einen roten Adlerflügel mit vergoldetem Kleestängel. Gelegentliche Überfälle durch Raubritter (1390) ließen das Leben auf der Burg nicht langweilig werden.

Mit dem Tode von Bischof Otto III. von Minden (1398) jedoch fiel der gesamte Besitz derer zum Berge samt Schalksburg an das Bistum Minden. Bei den beschränkten Heiratsmöglichkeiten innerhalb des Hochadels war das Aussterben einer Adelslinie in diesen Zeiten nicht ungewöhnlich. Konnte man nicht angemessen heiraten, blieb nur die kirchliche Karriere übrig. Im 15. Jahrhundert begann die Zeit der Schalksburg als Verwaltungssitz. Während zunächst ein bischöflicher Droste von dort aus mit Vögten und Beamten den Amtsbezirk Hausberge verwaltete, wurde die Schalksburg nach dem 30jährigen Krieg Verwaltungssitz kurfürstlich-brandenburgischer Beamter. Das Königliche Forstamt, das für den riesigen Waldbesitz im Amt Hausberge zuständig war, sowie das Landgericht hatten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls zeitweise ihren Sitz auf dem Gelände. Beeinflusst durch den nach den Wirren des Krieges wieder erstarkenden Aberglauben wurden hier zwischen 1654 und 1656 21 Personen wegen Zauberei hingerichtet.

Mit der Einrichtung der Kriegs- und Domänenkammer in Minden unter preußischer Regierung verlor das „Haus zum Berge" als Verwaltungsmittelpunkt an Bedeutung. Das Gebäude verfiel zunehmend und wurde, wie bereits erwähnt, 1723 zum Abriss bestimmt. 1820 ging die Anlage in Privatbesitz über, weil der preußische Staat aus finanziellen Gründen einige seiner Liegenschaften veräußern musste.

 

Wir verlassen das Gelände der Schalksburg und laufen geradeaus in den Ortskern, in dem noch einige schöne alte Fachwerkhäuser erhalten sind. Direkt vor uns liegt das ehemalige Seidenweberhaus  (Infotafel am Gebäude).

 

Im Seidenweberhaus wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts Seidenraupen gezüchtet. Gefüttert wurden sie mit den Blättern von Maulbeerbäumen, die zwischen Kempstraße und Faulensiek wuchsen.

 

Die Raupen des Maulbeerspinners (Bombyx mon) fressen zunächst an den Blättern des Maulbeerbaums, um sich in einer bestimmten Entwicklungsstufe in einem Kokon zu verpuppen. Dieser Kokon besteht außen aus einem lockeren Seidengespinst. In der Seidenraupenzucht werden die Tiere in besonderen Stellagen gehalten. Die Kokons werden zur Seidengewinnung in Heißwasserbädern erweicht, der Seidenfaden wird abgehaspelt, und anschließend werden mehrere Fäden zu einem Faden verzwirnt. Diese Fäden werden nochmals zu festerem Seidengarn verarbeitet, gefärbt und verwoben. Aufgrund der ungünstigen klimatischen Bedingungen war die Zucht dieser tropischen Schmetterlingsart in unseren Breiten jedoch unwirtschaftlich.

Der „Oberfleck" Hausberge wurde, im Gegensatz zum „Unterfleck" und zu den Bewohnern rund ums Kirchsiek, nicht aus Quellen, sondern durch pumpenbetriebene Brunnen mit Wasser versorgt. Die „Pumpengenossenschaft" war für die Instandhaltung der Brunnen verantwortlich. Bis zu 100 Pumpenschläge waren teilweise notwendig, um das Wasser aus den tiefen Brunnen heraufzupumpen. Während ein Pumpengenosse pumpte, fingen die anderen das Wasser auf, bevor die Pumpe es wieder fallen ließ. Links neben dem Seidenweberhaus befand sich eine solche Pumpe.

 

Rechts neben dem Seidenweberhaus oberhalb am Hang liegt das Rathaus von 1909, ein breitgelagerter, zweigeschossiger, traufenständiger Putzbau mit hohem geschwungenem Mittelgiebel. Über dem Eingangsportal zwischen rustizierten Pilastern befinden sich Sandsteinerker. Das Pfannenwalmdach hat eine achteckige Gaube. 

Vor dem Rathausaufgang wenden wir uns nach links und gehen nun weiter  die Kempstraße hinunter bis zur evangelischen Kirche. Das Alter der Kirche mit dem wuchtigen Westturm und dem schlichten Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss lässt sich anhand der in einen Stein eingemeißelten Jahreszahl 1599 nur erahnen. Als sicher gilt aber, dass Turm und Schiff aus unterschiedlichen Epochen stammen, da sie im Untergrund nur locker miteinander verbunden sind und sich in der Bauart ihrer Rund- und Flachbögen unterscheiden. Der innen mit einer Holzdecke versehene Turm wurde ursprünglich im moorigen Untergrund durch Eichenbalken gestützt, die aber mittlerweile durch Betonpfähle mit Eisenarmierung ersetzt wurden. Ob er ursprünglich mit zur Befestigungsanlage der ehemaligen Schalksburg gehörte, darüber kann man heute nur mutmaßen.

Die Form und Gestalt der Kirchenfenster gilt als typisch für den Manierismus, eine Übergangszeit zwischen Renaissance und Barock. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurde die Kirche allerdings immer wieder umgebaut und erweitert. Im Innern befinden sich ein spätgotischer, achteckiger Taufstein und ein Epitaph mit einer Reliefdarstellung der Kindersegnung Christi aus dem 16. Jahrhundert.

 

 

Rechts der Kirche stehen mehrere alte Grabsteine, unter ihnen auch der Grabstein der Christiane Schumacher geb. Dietzel (1785-1821). An der Rückseite des Steins ist eine Inschrift eingemeißelt. Zum Gedenken an seine schon mit 37 Jahren verstorbene Frau ließ der Amtsrat und Besitzer von Gut Wedigenstein, Heinrich Ludwig Schumacher (1779-1856), 1822 eine Stiftungsurkunde verfassen. An ihrem Todestag, dem 31. Oktober jeden Jahres, sollten für 10 Taler Bücher gekauft werden und von ihrem Grabstein aus an bedürftige Kinder des Kirchspiels Hausberge verteilt werden. Die zu verteilenden Bücher sollten einen schwarzen Einband haben und eine gedruckte Inschrift zum Gedächtnis an Christiane Schumacher tragen. Im ersten Jahr 1822 waren dies fünf Bibeln, sechs Gesangbücher, acht Katechismen und zehn Fibeln. Im Verlaufe der Jahrzehnte nahm der Anteil „weltlicher" Schulbücher jedoch zu, die Bibel wurde als Lesebuch abgelöst. Obwohl Schumacher seinen unweit der Hausberger Kirche liegenden Garten zur Sicherung der Stiftung auf Jahre hinaus verpfändet hatte, wurde die alljährliche Bücherschenkung 1930 aufgrund der Inflation beendet.

 

Die große Naturverbundenheit des leidenschaftlichen Landwirtes Schumacher drückt sich auch in den Naturdarstellungen auf dem Grabstein aus. 

Von der Kirche aus erreicht man nach ca. 200m  in Richtung Weserbrücke auf der rechten Seite "ein(en) 3 Meter mal 2 Meter große(n) Sandsteinblock, an dem eine Gedenktafel angebracht ist, die an ein dunkles Kapitel der Heimatgeschichte erinnern soll: das ehemalige Außenlager Porta des Konzentrationslagers Neuengamme" (Zitat aus: Hans Martin Polte, Hans Münstermann,  Hausberge heute und damals, Porta Westfalica, 2008).

 

Der Eisberger Ortsheimatpfleger Reinhard Busch hat sich in seinem Aufsatz "Zur Geschichte der KZ-Außenlager an der Porta Westfalica" ausführlich mit diesem traurigen Kapitel Portaner Heimatgeschichte beschäftigt.

Wir kehren zur Kirche zurück.

Im zeitigen Frühjahr lohnt sich ein kurzer Abstecher das Kirchsiek hinauf bis zum Wasserwerk  auf der rechten Seite. 

Das Wasser kam natürlich auch in Hausberge nicht schon immer aus dem Hahn. Früher gab es zahlreiche Quellen im Ortsgebiet, die aus dem Gehängestrom am Nordwestrand der Hausberger Schweiz hervortraten. Häufig wurden die Häuser direkt über einer Quelle gebaut, die dann im Keller in einem Brunnen abgefangen wurde. Östlich der evangelischen Kirche befand sich am Fuße des Hügels der „Kantorborn", von wo aus die Häuser hinter der Kirche, auf dem Kiekenbrink und der Albersburg versorgt wurden. Hier wurde nach alter Sitte auch das Taufwasser geholt. Selbst nach dem Bau der Wasserleitung wurde von hier noch ein Wäschespülbecken gespeist. Beim Bau der unterirdischen Rüstungsbetriebe (siehe Tour 2) versiegte die Quelle endgültig. Schon 1908 wurde eine erste, allerdings private Wasserleitung von E. Krüger gebaut, an die die Bewohner der Ortstraße, des Kirchsieks, der Hauptstraße, der Poststraße, des Kiekenbrink und der Kempstraße angeschlossen waren. Es gab keinen Anschlusszwang, aber Wasseruhren. Eine Familie zahlte drei Mark im Vierteljahr. Der 1919 begonnene Bau einer stadteigenen Wasserleitung, zur Verhinderung einer weiteren Typhusepidemie und als Notstandsarbeit zur Verringerung der Arbeitslosigkeit durchgeführt, wurde vorerst 1920 wieder eingestellt. Der Bau war aufgrund steigender Löhne und der durch die Geldentwertung hohen Rohrpreise bei den damaligen niedrigen Wasserpreisen nicht mehr rentabel. 1927/28 wurde die öffentliche Wasserleitung fertig gestellt, die Brunnen wurden abgedeckt oder zugeschüttet. 

An dem hinteren Hang blüht schon im Februar grün und relativ unscheinbar die Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) (siehe Infotafel)). Der flächendeckende Bestand ist aufgrund ihrer heutigen Seltenheit als Naturdenkmal geschützt. Als Mullbodenpflanze bevorzugt sie lockere humose, basen- und nährstoffreiche Böden.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Grüne_Nieswurz

Der Name der Gattung Helleborus, zu denen auch die bekanntere Christrose (Helleborus niger) gehört, leitet sich vom griechischen „helein" = töten und „bora" = Nahrung ab. Zu den giftigen Inhaltsstoffen der Gattung gehören Protoanemonin, Saponine und starke Herzgifte. Das gepulverte Rhizom verursacht heftiges Niesen (!) und wurde früher arzneilich verwendet. 

An der Kirche biegen wir in die Straße„ Hinter der Kirche" ein und laufen geradewegs auf das alte Zollhaus (Infotafel am Gebäude) zu. Links geht es weiter über den Kiekenbrink, der unterhalb des Landschaftparkes am Hohlen Weg entlangführt. Auf dem oberhalb liegenden Hang können Sie einige der „ungeliebten Unkräuter" näher kennen lernen!

Die Große Brennessel (Urtica dioica) gehört mit zu den unbeliebtesten Wildkräutern, die wir kennen. Gerade deshalb sollen ihre vielfältigen Eigenschaften hier etwas näher beleuchtet werden. 

Auf den Blattoberflächen befinden sich zahlreiche Brennhaare, deren feine kugelige Endung aus harter Kieselsäure besteht. Bei Berührung bricht diese ab und eine Mischung aus Natriumformiat, Histamin und Acetylcholin gelangt durch die übriggebliebene Spitze auf die Haut. Das verursacht das unangenehme Brennen. 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Brennnesseln

Brennnesseln sind Feuchtigkeits- und Nährstoffzeiger und überwuchern an solchen Standorten die meisten anderen Pflanzenarten. Die männlichen und weiblichen unscheinbaren Blüten sitzen auf unterschiedlichen Pflanzen. Mit einem besonderen Pollenschleudermechanismus werden die männlichen Pollen verbreitet und auf den weiblichen Fruchtknoten übertragen. Brennnesseln sind wertvolle Futterpflanzen für viele einheimische Schmetterlinge. Die Raupen einiger Arten fressen fast ausschließlich an dieser Pflanze. Dazu gehören der Kleine Fuchs (Aglais urticae), das Landkärtchen (Araschnia levana) und das Tagpfauenauge (Inachis io). Die Blätter der Brennnessel sind vielfach verwendbar als Teeaufguss, zur Blutreinigung, als Salat oder Gemüsebeilage. Keine Sorge, nach dem Kochen brennt es nicht mehr... 

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) gehören zu den ersten Frühlingsboten hier an den Hängen des Kiekenbrinks. Die gelben Teppiche des Scharbockskrautes beruhen auf der Tatsache, dass sich diese Art bevorzugt vegetativ über Wurzelknollen und Brutknospen verbreitet. Das Scharbockskraut erhielt seinen Namen aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehaltes, weswegen man es früher gegen Skorbut verwendete. Doch beim Verzehr ist Vorsicht geboten. Nach der Blüte reichern sich in der Pflanze die giftigen Inhaltsstoffe Protoanemonin und Anemonin an. Diese für die Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) typischen Inhaltsstoffe sind auch der Grund dafür, dass die Pflanzen vom Vieh gemieden werden. 

Eine Besonderheit unter den Frühjahrsblühern ist das hiesige Vorkommen der Gelben Narzisse (Narcissus pseudonarcissus). Die blassgelben Kronblätter um die goldgelbe Nebenkrone sind charakteristisch für die selten anzutreffende Wildform dieser häufigen Gartenzierpflanze. Sie ist geschützt! 

Nun begeben wir uns zum jüdischen Friedhof. Es gibt  zwei mögliche Wege. 

Der etwas schwierigere Weg:

Wir folgen der Straße „Hohler Weg“ bis in den Wald und gehen die Treppe aus Eisenbahnschwellen hoch zur Kempstraße. Bei nassem Wetter sind die Stufen  glatt. Vorsicht also. Oben angelangt gehen wir die Kempstraße hinunter, bis wir auf der rechten Straßenseite auf den Eingang zum jüdischen Friedhof stoßen. 

Der einfachere Weg: 

Wir gehen zurück Richtung Kirche und folgen dann der Kempstraße bergauf bis zum Eingang des jüdischen Friedhofes an der linken Straßenseite. 

Direkt im Eingangsbereich des jüdischen Friedhofes befindet sich das imposante Urnengebäude der Hausberger Familie M. W. Michelsohn (1913). Ein solches Urnenhaus entspricht nicht dem traditionellen jüdischen Bestattungsritus, sondern war in der Tatsache begründet, dass viele Hausberger Juden gleichzeitig Quäker waren.

Mit seinen Haftwurzeln hat sich der Efeu (Hedera helix) auf dem Grabmal einen Platz erobert. Die unscheinbaren grünen Blüten in den halbkugeligen Dolden des Efeus erscheinen erst im Herbst des 8.-10. Jahres, wobei sich mit zunehmendem Alter die Blattform von dreilappig zu ei-lanzettlich bis rhombisch verändert. Efeu ist ein Relikt aus dem Erdzeitalter des Tertiär, er kann bis zu 1.000 Jahre alt werden. Die für den Menschen giftigen blauschwarzen Beeren werden von Vögeln verbreitet. 

Im östlichen Hausberger und im westlichen Mindener Teil des jüdischen Friedhofes finden sich insgesamt 134 Grabsteine. Das älteste Grab stammt aus dem Jahre 1836 und trägt die Inschrift „Uri Feibisch ben Baruch Bendit halevi". Hier liegen Feibes und Caroline Boas, die Großeltern des berühmten amerikanischen Anthropologen Franz Boas (1858-1942) begraben, der 1899 eine Professur an der Columbia University von New York innehatte. 

 

Linkerhand steht zwischen den Grabsteinen eine Esskastanie (Castanea sativa). Sie ist übrigens mit unserer Rotbuche näher verwandt als mit der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), die einer anderen Pflanzenfamilie angehört. Die Esskastanie stammt aus dem Mittelmeergebiet und wurde vermutlich

 

von den Römern bei uns eingeführt, da die Schösslinge als Stützen im Weinbau verwendet wurden. Im Mittelmeerraum sind die Früchte ein wichtiges Nahrungsmittel. Sie wurden getrocknet und zu Mehl gemahlen, da die Esskastanien auf den kargen, trockenen Böden besser gediehen als Getreide. 

  

Wir befinden uns nun auf einer Erhebung in der so genannten Hausberger Schweiz. 

Anders als die Gesteinsschichten des Weser- und Wiehengebirges sind die Erhebungen der so genannten „Hausberger Schweiz" eiszeitlichen Ursprungs. Sie entstanden zum einen durch Aufschüttungen der Urweser, zum anderen durch Schmelzwasserablagerungen unterhalb der Gebirgseinschnitte. Ihre enge Zertalung rührt aus der ständig rückschreitenden Erosion durch die Weser, die sich teilweise wieder in die vorher abgelagerten Kies- und Sandschichten eingrub. Die ehemaligen Weserterrassen mit ihren mächtigen Kies- und Sandablagerungen sind hier daher nur noch inselartig erhalten und durch flache Muldentäler gegliedert. Sie gehen schnell in tiefe Kerbtäler mit bis zu 30 % Gefälle über und münden am Grunde häufig in steilwandige Hohltäler. Diese Trockentäler haben in der Regel keine durchgängig wasserführenden Gerinne, da das Wasser in den darunter liegenden Kies und Sandschichten versickert. 

Wir gehen nun die Kempstraße hinunter und finden gegenüber dem Rathaus auf der linken Straßenseite am ehemaligen Haus des Gastes eine Bronzebüste des Sebastian Kneipp. 

Es geht nun von dort die Treppen hinunter, zwischen den ehemaligen Burgmannshöfen hindurch, zurück auf die Hauptstraße. 

Burgmänner waren im Mittelalter Ritter des niederen Adels, die die militärische Sicherung der Schalksburg zu Aufgabe hatten. Als Lehen erhielten sie einen Hof, der ihnen als Wohnsitz diente. Sie hatten keine Abgaben zu leisten und durften in der gemeinsamen Mark unbeschränkt Holz, Sand, Lehm und Steine sammeln bzw. ihre Tiere zur Hude treiben. Mit dem Ende des Rittertums, der zunehmenden Aufnahme von Landsknechten in das Heer und der zunehmenden Bedeutung von Feuerwaffen verloren die Burgmänner an Bedeutung. Sie wurden königliche Offiziere oder höhere Beamte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Grundbesitz der einzelnen Burgmannshöfe aufgelöst, und sie gingen in den Besitz von Bürgern über. 

Der von Langesche Burgmannshof (Nr. 41) und der Tönsmeierhof (Nr. 39) sind nur zwei von ehemals fünf solcher Höfe in Hausberge. Simon Wilhelm Moritz Freiherr von Langen, der „Held von Hochkirch", wurde hier geboren. Der von Langesche Burgmannshof war um 1800 auch der Wohnsitz des Ludwig Freiherrn von Vincke, der damals Landrat in Minden war und später Oberpräsident der Provinz Westfalen wurde. Der Tönsmeierhof gehörte ursprünglich wohl einem freien Bauerngeschlecht. Als mittelalterliches Ackerbürgerhaus beherbergte er Mensch, Klein- und Großvieh und die Getreidevorräte unter einem Dach.

Die meisten Hausberger Einwohner waren übrigens als so genannte „freie Bürger", die eine Bürgerstätte, d.h. Haus und Garten von 1/4 bis einen Morgen Größe besaßen, auch in Zeiten der Grundherrschaft abgabenfrei. In Hausberge war die Landwirtschaft schon seit langem nicht der einzige Erwerbszweig. Hier siedelten Kaufleute, Kleinhändler und Handwerker. Die meisten Handwerksarten waren vor Ort vertreten, einige lange Zeit ausschließlich in Hausberge und nicht in den benachbarten Dörfern. Dazu gehörten bis 1914 z.B. Klempner, Kupferschmied, Dachdecker, Sattler und Uhrmacher. In Hausberge waren auch Ärzte und Apotheker ansässig, die die medizinische Versorgung der umliegenden Dörfer sicherstellten. Beamte und Angestellte der hier ansässigen Amtsverwaltung und Amtssparkasse sowie Lehrer gehörten ebenfalls zu den klassischen Hausberger Einwohnern. Aber auch Arbeiter aus den Glas- und Zementfabriken in Lerbeck wohnten hier zur Miete. 

 

An der Schalksburgpassage werfen wir zum Abschluss einen Blick auf die unvollständige Grabplatte, die hier beim Bau des Gebäudes 1989 entdeckt wurde. Sie erinnert an den bereits genannten Major Simon Wilhelm Moritz von Langen (1706-1758), der im siebenjährigen Krieg den Kirchhof von Hochkirch in Sachsen gegen eine 18fache Übermacht verteidigen konnte. So ermöglichte er den Truppen Friedrich II. einen geordneten Rückzug und verhinderte, dass Friedrich in österreichische Gefangenschaft geriet.

 

Wir gehen nun Richtung Schalksburg weiter, folgen dem Schlossbrink und sind wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt.

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